Bayrische Hausberge

 … oder schlechtes Wetter gibt es nicht …

 

Zwei Tage bevor es losgehen sollte, erreichte uns eine E-Mail von Friedbert mit zwei wichtigen Punkten:

1. Trotz anhaltendem, schlechtem Wetter wolle er die Tour wagen. Denn es bestünde durchaus die Chance auf trockene Abschnitte und er plane bestmögliche Alternativen ein.

2. Weil die Bahn bei der ersten Buchung von den Baustellen auf der Strecke noch nichts wusste, war eine Umbuchung notwendig. Friedbert hatte zwei Mitarbeiterinnen der Bahn so lange „drangsaliert“, bis alles wieder einigermaßen passend war.

Doch nun zur Tour im Detail …

24.5.2024: Anreise mit den Öffis bis zur Aiblinger Hütte

Am Freitag starteten wir in aller Herrgottsfrühe mit dem Bus der Linie 18. Ab Oberndorf (Richard) über Wendelsheim (Irmi) und Rottenburg (Adelinde, Angelika, Barbara) nach Tübingen. Von Friedbert und Charlotte dort erwartet, ging´s mit dem Zug nach Stuttgart. Und nachdem die Wandergruppe nun komplett war, gemeinsam weiter nach Bayern.

Am Startort Geitau angekommen, wurden die Schuhe geschnürt, die Stöcke eingestellt, der Rucksack geschultert und es wurde losmarschiert. Auf einfachen Wegen entlang saftiger Wiesen bis Birkenstein. Dort wurden der Kalvarienberg und ein Wallfahrtskirchlein besichtigt. Dann verließen wir die Zivilisation. Hier meinte Friedbert, nach kurzem Blick auf seine App:

„Ja, da geht´s jetzt hoch“. Es folgte ein Trampelpfad, der schnell recht steil wurde. Und bei dem wir ordentlich ins Schwitzen und Schnaufen kamen. Aber wir wurden für die Anstrengung belohnt und erreichten ein wirklich schönes Plätzchen:
Das „Breitenstein-Fensterl“.

Anstrengender Aufstieg zu Breitensteiner Fensterl

Ein Felsbogen mit tollem Blick ins Vorland. Bei einem ausgedehnten Vesper kamen wir wieder zu Kräften. Und weiter ging es aufwärts, aber nicht mehr ganz so steil. Weil es inzwischen angefangen hatte zu regnen, ließen wir den Gipfel aus und gingen direkt zur Hubertushütte. Leider war sie geschlossen, aber wir nutzen den Dachvorsprung, um unsere Rucksäcke für eine kurze Rast abzustellen.

Ein Teil der Gruppe ließ es nicht nehmen, doch noch schnell den Breitenstein (1.622 m) zu besteigen. Der Regen hatte inzwischen aufgehört und wir wurden mit einem sensationellen Anblick belohnt: Unter uns spannte sich ein riesiger Regenbogen über das Tal.

Wieder vereint, stiegen wir bis zu einem Sattel ab, wo wir die Rucksäcke vorübergehend in einer Materialseilbahn verstauen konnten. Für unsere Hütte war es noch zu früh, weshalb wir eine Pause bei der Kesselalm machten. Dort bekamen wir auf der Veranda, wenn auch keinen Kuchen, aber doch zumindest einen Kaffee bzw. Tee. Und schließlich kam sogar noch die Sonne zum Vorschein.
Da es inzwischen 17 Uhr war, machten wir uns nun auf zur Hütte mit einem kurzen Stopp, um die Rucksäcke wieder abzuholen. Von dort aus ging es dann noch etwa 10 Minuten bergab bis zum Tagesziel, der Aiblinger Hütte.
Dort erwartete uns die patente Hüttenwartin Ingrid. Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, fingen wir an, das Abendessen vorzubereiten.
Unter der Leitung von Adelinde kochten wir phantastische Spaghetti mit Tomatensoße plus Gemüse und wer wollte Sojaschnetzel. Danach waren wir alle pappsatt und gegen 22 Uhr gingen wir schlafen.

25.5.2024: Über Wendelstein zur Juhe Sudelfeld

Um 6:30 Uhr war Zeit zum Aufstehen. Es wurde grob zusammengepackt. Danach gingen wir zum Frühstück. Angelika hatte leckeres selbstgebackenes Vollkornbrot dabei. Dazu gab´s Frischkäse, Marmelade, Käse, Salami und Bananenbrot von Irmi.
Im Anschluss ging unsere Tour weiter. Leider war der Himmel wieder grau in grau, aber es blieb trocken. Auf einem guten Pfad wanderten wir hoch zum Wendelstein. Unterwegs wurden die ersten Gämsen gesichtet. Der letzte Anstieg bis zum Wendelsteinhaus war recht steil, aber der Gipfel schon in greifbarer Nähe. Doch zuerst wurde noch das „Kircherl“ besichtigt.

Danach hieß es weiter bis in die Eishöhle. Eine beeindruckende Höhle im Wendelsteinmassiv. Es war recht frisch, aber beim Aufstieg zum Wendelstein-Gipfel (1.838 m) wurde uns schnell wieder warm. Die Aussicht war jedoch leider bescheiden. Nach dem obligatorischen Gipfel-Gruppenbild besuchten wir die kleine, aber bautechnisch interessante Kapelle.

Wendelstein (1838 m)

Es riss zwar etwas auf, aber die nächste Regenwand war schon im Anzug. Da es nieselte, verzogen wir uns zur Stärkung, und um besseres Wetter abzuwarten ins Wendelsteinhaus.
Auch wenn das Wetter einfach nicht besser werden wollte, starteten wir dennoch gegen 13:30 Uhr wieder unsere Tour. Wir liefen zuerst bergab bis zu einem Sattel und dann noch ein kleines Stückchen weiter. Da es aktuell trocken war, schlug Friedbert vor, dennoch den Aufstieg zu versuchen; jedoch mit dem Hinweis, dass wenn es gar zu schlecht werden sollte, man immer noch früher absteigen könne.
Recht schnell erreichten wir den Fuß der Lacherspitz (1.724 m) und von dort ging es weiter bis zum Gipfel. Und wieder wurden wir mit einem schönen Ausblick auf Sims- und Chiemsee belohnt.
Im Anschluss machten wir uns auf, um den nächsten Gipfel zu besteigen, das Wildalpjoch (1.720 m). Zwischendurch regnete es leicht, aber nie so stark und ausdauernd. Beim dritten Gipfel, der Kaserwand (1.690 m), waren dann nur noch Friedbert, Irmi und Martin dabei. Der Rest ging langsam abwärts voraus. Der Weg war schön, aber zunehmend matschig, was es anstrengend machte. Schließlich erreichen wir einen alten Bergwald, wo wir wieder auf die drei Gipfelstürmer trafen. Weiter ging es durch ein Wäldchen und erreichten pünktlich zum Abendessen unser heutiges Tagesziel, der Jugendherberge Sudelfeld – ein imposanter Bau im alpenländischen Stil.
Nach einem grandiosen Essen wurde das Zimmer bezogen – dieses Mal nur eines für alle.

26.5.2024: Über Vogeljoch, kleiner und großer Traithen, zum Brünnsteinhaus

Keiner konnte es glauben: Die Sonne lachte und nur wenig Wolken waren am Himmel. Nach einem tollen Frühstück verabschieden wir uns vom Team der Jugendherberge.

Zunächst liefen wir über grasige Matten und Skipisten mit monströsen Schneekanonen, an der Speck-Alm vorbei, weiter auf Ziehwegen und auf einem steilen Pfad bergan im Bergwald. Recht schnell war mit dem Vogelsang (1.563 m) der erste „Gipfel“ erreicht. Etwas steiler und schwieriger, über eine Rampe erreichten wir den nächsten Gipfel – den kleinen Traithen (1.722 m).

Frisch gestärkt ging´s weiter über einen Sattel zum finalen Anstieg auf den großen Traithen (1.852 m). Dort angekommen genossen wir ein phantastisches 360° Panorama. Wir erreichten den höchsten Punkt unserer Tour und sahen die Berge vom Großglockner im Osten bis zur Zugspitze im Westen. Großartig!

Nach Osten ging die Tour auf einem von Latschen bewachsenen Grat weiter, über das Unterbergerjoch (1.813 m) zum Steilnejoch (1.747 m), dann abwärts zum Sattel und auf breiten Almwegen auf der südlichen Basis des Brünnsteins bis zum Brünnsteinhaus (1.342 m). Am Ziel angekommen wurde erst mal ein kühler Gerstensaft gezischt, die Aussicht genossen und Zimmer bezogen. Dann war es Zeit fürs Abendessen.

27.5.2024:  Letzter Tag mit Abstieg zur Bahnstation in Oberaudorf

Gegen 7:30 hieß es aufstehen. Pünktlich um 8 Uhr versammelten wir uns zum Frühstück. Auch wenn es sich heute um den letzten Tag der Wanderung handelte, war die Stimmung dennoch positiv. Die Sonne schien. Es hatte alles besser geklappt als erwartet und sehr schöne Tage lagen hinter uns. Kurz nach 9 Uhr wanderten wir über abwechslungsreiche Waldwege bergab bis zum Hocheck (824 m). Dort machten wir die letzte Vesperpause. Dann ging es über die Rodelstrecke bis nach Oberaudorf (482), wo zuerst die Lage des Bahnhofs ausgespäht wird, um sich dann in sicherer Entfernung zum Abschluss einen Kaffee oder ein Eis zu gönnen.

Wir erreichten pünktlich den Zug und die folgenden Umstiege (Rosenheim, Stuttgart und Tübingen) klappten problemlos.

Zusammenfassung:
An- und Abreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln haben sehr gut geklappt und die Tour war gruppendynamisch betrachtet einfach spitze. Hinter uns lagen ca. 2.500 m bergauf und ca. 2.900 m bergab. Friedbert war für alle Eventualitäten bestens gewappnet.

4 tolle Tage – 0 Verletzte!

Touren-Titel Bayrische Hausberge
Touren-Nr. BW 401
Zeitraum 24. – 27. Mai 2024
Tourenleitung Friedbert Wiedmann
Teilnehmer_inner Adelinde, Angelika, Barbara, Charlotte, Friedbert, Irmi, Martin und Richard
Bericht Martin
Koordinaten Ausgangsort Geitau (Bayrischzell)