Frauenpower im Kleinwalsertal

Auf geht`s Mädels – die Frauenbergtour 2015

Aufgehts1Am 01.08.15 starteten 14 laufstarke Mädels am Rottenburger Bahnhof mit dem Zug nach Oberstdorf, um anschließend mit dem Bus nach Mittelberg im Kleinwalsertal zu fahren. Fröhlich und bestens gelaunt fielen wir bereits vor der Busfahrt in allgemeine Heiterkeit, als Dagmar Held uns über die allgemeine „Gruppentherapie“ anstatt den „Grupptentarif“ aufklären wollte. Tatsächlich kam die Tour einer „Lachtherapie“ gleich, denn Dagmar zog uns alle durch ihren wunderbaren Witz und Charme in ihren Bann.

Im Schneeloch

Im Schneeloch

Provokativ baumelte bereits an der Startlinie ihr Aufmunterungslogo an ihrem Rucksack: „Auf geht`s Mädels“. So marschierten wir zielstrebig unserem ersten Ziel, die Widdersteinhütte entgegen, doch brachte uns bereits nach 30 Minuten ein Hinweis über saftige Obstkuchen auf die Idee, erst einmal einen gemütlichen Einkehrschwung zu genießen. Unser Lauftempo wurde deshalb abgebremst und allen war dies willkommen.

Die erste Tagesetappe vom Gamstalboden bis zur Obergamstalalpe sollte schließlich nur 2,5 Stunden dauern, und so konnte die Tour gemütlich angegangen werden. Anschließend ging es bei schwül warmem Wetter etwa 800 m hinauf durch das wunderschöne Gamstal zur Widdersteinhütte, die auf 2010 m Höhe lag. Viele schöne Blumen in allen Farben zierten den eng hinauf windenden Bergweg und so manches sanft gurgelnde Bächlein schenkte uns zumindest in unserer Vorstellung etwas Abkühlung.

Gott sei Dank diente uns ein graues Wolkenband als Sonnenhut, so dass wir schon von der natürlichen Kopfbedeckung Gebrauch machen konnten. Trotzdem lief der Schweiß in Strömen, denn wir hatten eine hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb fühlte sich der erste kurze Aufstieg für manch eine der 14 „Gamsen“ bereits herausfordernd an. Schließlich musste man sich auch erst wieder an eine Bergtour gewöhnen und da wir mal wieder ohne Männer unterwegs waren, mussten wir unsere Rucksäcke auch selbst schleppen.

Manch eine war froh, dass wir bereits gegen 16.00 Uhr unsere Hütte erreicht hatten. Nun hieß es kurz frisch machen, ausruhen und den Tag ausklingen lassen. Von wegen, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Kaum ruhte ich etwas aus, als ich durch das Fenster laute Motivationsrufe hörte, Geschrei und Jubel. Was war denn da schon wieder los? Während ich an einen gemütlichen Rückzug dachte, motivierte Dagmar Held vor der Hütte schon wieder ihre Mädels, um die wild gewordenen zweibeinigen Widder anzufeuern, die scheinbar vom Tal sich zu einem 16 km Berglauf zum Widderstein aufmachten. Das kann ja lustig und heiter werden.

Sofort standen wir alle mit unseren Stöcken Spalier und feuerten jeden einzelnen Bergläufer mit Motivationsrufen und klatschenden Rhythmen an. Auf und nieder immer wieder verbeugten wir uns vor ihnen und jubelten den 260 Läufern etwa 90 Minuten lang lautstark zu, bis das Spektakel vorüber war und wir uns kreuzlahm zurück ziehen konnten. Aber es war der Mühe wert, denn viele dankbare und lächelnde Gesichter belohnten uns für unsere Dienste. Deshalb wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn die eine oder andere von uns am Abend Blasen und Schwielen an den Händen anstatt an den Füßen gehabt hätte.

So traf eine flotte Frauenberggruppe auf eine internationale Berglauftruppe. Und sogar ein 77-jähriger jagte an uns in flottem Tempo vorbei. Als dann plötzlich unerwartet doch ein „Bergläufer“ in den Graben fiel, eilte Monika Blessing sofort zur Hilfe, um Wiederbelebungsversuche anzubieten, aber es stellte sich heraus, dass er nur der Fotograf war, und sich freiwillig in den Graben warf und deshalb dankend ablehnte. Und wir waren froh, dass das Anfeuern nun ein Ende hatte, denn verlockende Düfte zogen bereits aus der gemütlichen Hütte zu uns herüber. Lachend verkündete der Wirt: „Ohne Kampf kein Mampf“ und tatsächlich servierte er dann auch keinen Stampf, sondern eine dampfende und leckere Flädlesuppe, Spätzle und ein Fleischgericht mit Gemüse.

Dies war die Belohnung für den Tag und schließlich zierte ein Hüttenspruch den Raum: „Der Weg ist das Ziel und wird mit einer guten Hütte belohnt“. Zufrieden und glücklich saßen wir zusammen, spielten und hatten viel Freude miteinander. Endlich ging es in die allzu engen Massenquartiere und vielleicht hatte die eine oder andere auch tatsächlich einen erholsamen Schlaf darin gefunden. Ich jedenfalls nicht und so blieb mir nichts anderes übrig, als nachts dem Regen zuzuhören und die Stunden zu zählen bis die Sonne wieder aufging.

Aber sie wollte sich am nächsten Tag nicht so schnell von ihrer schönsten Seite zeigen und hielt sich hinter dicken Wolken versteckt und schob zunächst einen Nieselregen vor. Doch war vielleicht die eine oder andere auch dankbar, dass es nach dem langen trockenen Sommer endlich eine feuchte Abkühlung gab.

02.08.2015

Am zweiten Tag machten wir uns von der Widdersteinhütte über den Seekopf auf zum Hochalppass um anschließend das Bärgrunttal zu durchqueren. Danach ging es hinab von 2010 m Höhe nach Baad. Und über die Ochsenhofer Scharte bis zur Schwarzwasserhütte, die auf 1651 m lag. Doch zuvor genossen wir ein reichhaltiges Frühstück und Sabine lobte den wunderbaren Kaffee mit ihrer schwäbischen Mundart: „des war jetzt au koin augschickter Kaffee“. Nachdem allgemein übersetzt wurde, was sie damit meinte, nickten ihr alle einstimmig zu und jeder war um eine sprachliche Erfahrung klüger.

Frühstück auf der Widdersteinhütte

Frühstück auf der Widdersteinhütte

Wir starteten also bei trübem und nebligem Wetter, weshalb wir vor der Hütte weder einen Weitblick, noch einen Überblick oder gar Rundblick genießen konnten. Und einen Durchblick hatten wir auch nicht, weshalb wir damit zufrieden sein mussten, die Zeit vielleicht für einen Rückblick auf unser Leben zu nutzen. Denn einst sagte mal jemand aus unserer Gruppe: „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“. Nun war also die Zeit für einen Innenblick, denn mehr gab es nicht zu sehen.

So liefen wir fast blind ca. 600 m hinunter und anschließend wieder 800 m hinauf. Das war also gut zu schaffen und kurz vor Baad kehrten wir wieder in eine gemütliche Hütte ein, welche von einer „mannsstarken Wirtin“ souverän bewirtschaftet wurde. Kaum saßen wir, bekam Adelinde eine große Kuhglocke um den Hals gelegt und musste muhen. Daraufhin meinte die Wirtin: „Eine Kuh macht Muh und viele Kühe machen viel Mühe“.

Und sogleich kämpften sich abermals die Bergläufer vom Tal erneut zum Widderstein hinauf und das anfeuern fing wieder von vorne an. Aber dieses Mal übernahm die Wirtin den Hauptteil, indem sie zwei große Glocken nahm und die Jungs mit unablässigem Gebimmel und Gejohle anfeuerte, während wir unsere Suppen schlurften. Frisch aufgetankt wanderten wir weiter nach Baad und stiegen nun wieder aufwärts bis zur Ochsenhofer Scharte. Erneut schlug uns eine Hitzewelle entgegen und wir kämpften uns abermals auf die Höh, während im Minutentakt uns die Bergläufer entgegen kamen und meinten, wir hätten ja wenigstens Spaß.

Außerdem schenkte uns nun die aufreißende Wolkendecke schöne Landschaftsbilder. Abermals konnten wir das wunderschöne Panorama mit all seinen Gipfeln bewundern und als wir die Ochsenhofer Scharte überquerten, zierten menschengroße Blumen unseren Weg und rollten einen einmaligen schönen Blütenteppich vor unseren Füßen aus. Lila, blau, pink und andere Farben säumten unseren Weg und Anita meinte: „Da kriegt man ja dauernd a Blom an Kopf“.

Von der Ochsenhofer Scharte zur Schwarzwasserhütte

Von der Ochsenhofer Scharte zur Schwarzwasserhütte

Die Schwarzwasserhütte hatten wir bereits im Blick und wanderten zielstrebig hinab zu ihr. Natürlich schwatzten und lachten wir, denn der Aufstieg lag hinter uns und wir freuten uns schon wieder auf Kaffee und Kuchen. Unterwegs trafen wir noch Tobias aus Rottenburg, der als Einzelläufer unterwegs war und unsere Mannschaft schon von weitem erkannte. Er meinte so viele Frauen, das können nur unsere Rottenburgerinnen sein und schließlich hat er uns schon von weiter Ferne am Gelächter erkannt.

Natürlich stürmten wir die sonnige Terrasse und verwöhnten uns mit Kaiserschmarrn und anderen leckeren Speisen. Der Abend war gemütlich und die zweite Nacht nicht viel besser als die erste, denn das Massenlager konnte nicht abgedunkelt werden, so dass es die ganze Nacht hell erleuchtet war. Nun hatten wir abermals stundenlang Zeit zum „tagträumen“ und manchem ging dabei vielleicht auch ein „LICHTLEIN“ auf.

Hoher Ifen

Hoher Ifen

03.08.2015

Am dritten Tag stand dann im wahrsten Sinne des Wortes das „HIGHLIGHT“ der Tour oder der Tortour an. Doch konnten wir zuvor ein Frühstück „de luxe“ auf der Sonnenterasse genießen und den Sonnenaufgang bewundern. Alle freuten sich auf den Hohen Ifen, den wir über den Eugen-Köhler-Weg erreichten. Wir schlängelten uns bereits um 8.00 Uhr auf dem WILDSAUENPfAD unserem Ziel entgegen. Die Wege waren durch den starken Regen sehr aufgeweicht und rutschig und unsere Hosen bereits nach kurzer Zeit wäschereif. Aber wir wollten ja nicht zu einer Modenschau sondern nur unser heutiges Ziel erreichen. Die Tour sollte uns vom Ifen zum Hahnenköpfle weiter über den Windecksattel und über den Gottesacker bis hinunter zur Gatteralm zum Mahdtalhaus führen.

Aufbruch zum Hohen Ifen

Aufbruch zum Hohen Ifen

Anscheinend hatten auch noch weitere Wanderer heute ebenfalls den Hohen Ifen ausgesucht, denn sie saßen bereits alle schon vespernd am Gipfelkreuz bei strahlendem Sonnenschein und genossen das Bergparadies. Das war nun wirklich der Gipfel, dass wir am Kreuz wegen Überfüllung keinen Platz mehr hatten. Der Berg rief und lockte eine große Menschenmenge herbei.

Vesper auf dem Gipfel des Hohen Ifen

Vesper auf dem Gipfel des Hohen Ifen

Hätten jedoch alle anderen Wanderer dieselbe Tour wie wir gemacht, wäre die Anzahl der Besucher wahrscheinlich auf die „Frauenberggruppe“ zusammen geschmolzen. Keiner von uns ahnte zu jener Zeit, dass es noch ein herausfordernder Abstieg werden sollte. Der Gottesacker machte seinem Namen alle Ehre, denn er war nicht gottesglatt sondern alle Steine lagen uns kreuz und quer zu Füßen.

Überquerung Gottesacker

Überquerung Gottesacker

Unsere Gelenke und Muskeln mussten heute auf Hochtour arbeiten, um uns nicht zu Fall zu bringen. Allzu groß waren die Unebenheiten auf dem Boden und große Vorsicht war nun wünschenswert. Tiefe Furchen, Risse und Löcher taten sich auf und drohten mit Unheilvollem bei unsachgemäßem auftreten. Höchste Konzentration und Trittsicherheit war nun gefragt. Was für eine gigantische steinige Unordnung lag uns hier zu Füßen? Unzählige Stolperfallen taten sich vor uns auf, die wir jedoch bravourös ohne murren meisterten.

Hahnenköpfle

Hahnenköpfle

Auch das Hahnenköpfle schafften wir noch mit links und dann hieß es: „Mädels jetzt müsst ihr noch mal auf die Zähne beißen“. Uns steht nun ein langer Abstieg bevor. Die Tagestour war auf sieben Stunden ausgelegt, doch war es besser am Ende des Tages die Anzahl der Stunden nicht mehr so genau zu zählen. Und Anita, eine unserer „Power-Ladies“ umrahmte gegen Ende des Tages die Tour mit einem Schlusszitat: „Endlich kann ich mal so lange laufen bis ich selber genug habe“. Wau. Dieser Satz traf meine Ohren wie ein Wurfgeschoß, denn meine Füße fühlten sich inzwischen wie gesteinigt an und signalisierten mir deutlich als würden sie in Schraubstöcken festgenagelt sein. Doch Dagmar Held rief immer noch munter und rege „Auf geht`s Mädels haltet noch ein wenig durch“.

Auf geht’s Mädels!

Auf geht’s Mädels!

Und so marschierten wir alle tapfer weiter, wenn auch die eine oder andere inzwischen stiller geworden ist. Doch auch Sabine Bitz unser Neuzugang in der Gruppe meisterte super ihre erste große Wanderung und passte daher ebenfalls sehr gut zu unserem Frauentrupp. Alle waren wir sehr stolz mit unserer Höchstleistung und haben uns riesig gefreut, dass wir alle das schier „Unmögliche“ möglich gemacht haben und ernteten auch ein dickes Lob von unseren zwei Bergführerinnen Monika und Roswitha.

Abends wurden wir dann noch mit einem unglaublich guten Essen im schönen und empfehlenswerten Mahdtalhaus verwöhnt, sodass wir unsere leeren Energietanks schnellstens wieder auffüllen konnten. Augenblicklich fühlten wir uns wieder vital und manch ein verloren geglaubter „Lebensgeist“ fand dadurch sogar wieder zu neuem Leben zurück.

04.08.2015

Jedoch zeigte der nächste Tag kleine Ausfallerscheinungen und der eine oder andere musste nun einen Gang zurückschalten. Deshalb sollte der vierte für alle zu einem „Wohlfühltag“ werden, den wir wandernd durch die Breitachklamm zurück nach Oberstdorf antraten. Und dies war nun wirklich ein Genusstag, denn die Klamm berührte uns nochmals alle durch ihre wilde Schönheit und streichelte unsere Seelen.

Breitachklamm

Breitachklamm

Zu Guter Letzt bummelten wir noch gemütlich durch die schönen Gassen des touristischen Oberstdorf und tauchten kulinarisch oder einkaufend in deren Atmosphäre ein.

Alles in allem war es eine gelungene Tour und wir „Mädels“ Monika, Helga, Ursula, Edith, Monika, Adelinde, Dagmar und Dagmar, Kathrin, Anita, Sabine und Beate danken von Herzen Monika und Roswitha für die gute Organisation und RUNDUMBETREUUNG.

Deshalb bleibt uns noch lange treu, denn eines ist klar: „Wir sind wieder dabei“!

Vorsicht Schlangen!

Vorsicht Schlangen!


Termin: 01.08.2015 – 04.08.2015

Tourenführer: Roswitha Leon und Monika Blessing
Teilnehmerinnen: Adelinde Schwarz, Dagmar Held, Helga Vogt, Ursula Stehle, Kathrin Gulde, Sabine Bitz, Monika Eger, Dagmar Haid, Monika Flach, Beate Mansueto, Edith Volk, Anita Kleinmann
Autorin: Dagmar Haid

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