Man darf ja mal träumen …

Fahrtechniktrainig Intensiv in Hochspeyer im Pfälzer Wald

Ich prügle mit meinem 6000,- € Downhill Geschoss, welches ich letztes Jahr beim Mountain–Bike Preisausschreiben gewonnen habe, den 3-Länder-Enduro-Trail am Reschensee hinunter. Der Schweiß läuft mir im MTB Integral Helm über die Stirn in die Augen. Der nächste Anlieger saust auf mich zu, links rechts, Achtung der Baum, ein leichtes Kratzen am Arm-Protektor, das war knapp. Noch ein Drop, einige Wurzeln, dann läuft das Ganze flowig zum Reschensee hin aus. Im Edelweiß warten die Sauna und der Jakuzzi auf der Dachterrasse. Mit Espresso 🙂 …

… na ja man darf ja mal träumen – aber Blick zurück:

Mitte 2016 besuchte ich die beschriebene Location zum Wandern. Ich fahre gerne Mountainbike und habe gedacht, dass ich einigermaßen fahren kann. Es wurmte mich gewaltig, dass ich kein MT-Bike dabei hatte, aber es war ja auch Wandern angesagt.

Die im Hotel untergebrachten „ auch jüngeren Gäste“ hatten ihre Boliden dabei. Alles vom Feinsten… ich beschloss, so eines  zu gewinnen. Man kommt unter Bikern gleich ins Gespräch und so erfährt man einiges mehr über die Vinschgau-Trails und Downhills, zum Beispiel dass es Unterteilungen gibt in Schwierigkeitsstufen, zusammengefasst in der Singeltrail-Skala S1-S5. Und so keimte in mir der Wunsch, mindesten die Stufe S3 einigermaßen zu beherrschen, um auch gesund runter zu kommen. Wieder daheim, machte ich meine Nachbarn „heiß“ und Oli B. erzählte mir von einem Technik-Training, welches er in 2016 besuchte und in 2017 auffrischen wolle. Anmeldung und Zusage erfolgte…

Donnerstag:

Gepäck ins und Fahrräder ans Auto (ich weiß nicht wie das in Zeiten von Käfer, Kadett und R4 ging…).

Freitag:

Pünktlich Abfahrt Richtung Pfälzer Wald. Das war noch nie meine Richtung…

Landau, dann wurde ich irgendwann auf eine Landstraße geleitet, vorbei an Elmstein und Waldleiningen (super Strecke- für Motoradfahrer, ist an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen jedoch für selbige gesperrt). Das sagt schon alles, und auch dass mein italienischer Beifahrer empfahl, vor jeder Kurve zu hupen.

Wir kamen aber rechtzeitig an. Die Leute aus Rottenburg waren schon in einem roten Bus mit einem riesigen Fahrradanhänger vorgefahren und so konnte der Kurs pünktlich beginnen.

Kennenlernspiel: Wir sollen uns merken, was uns Gerhard als Kärtchen (in meinem Fall „Trail“) vor die Nase hält und unseren Partner im Balancespiel (auf einem geteerten Volleyballplatz) finden. Ich bin so aufgeregt, dass ich mich dem gerade hinzustoßenden Oli S. als „Hallo ich bin der Trail“ vorstelle.

Lockerungs- und Balanceübungen folgen, Fahren mit geschlossenen Augen unter Führung des Partners wie auch Achter Drehen im durch Seile abgegrenzten Bereich. Fahren in die Schnecke oder längs über ein am Boden liegendes Brett. Gar nicht einfach !  ( lacht nicht…!!)

Wer braucht leere Bierkisten? Wir! Auf denen machten wir unsere Balanceübungen. Hintern übers Hinterrad, das Fahrrad unter mir durchtauchen lassen, weiter …weiter. OK, Beineschlottern inklusive.

Dann war da noch ein Absatz vom geteerten Platz runter in den Wald – und wenn ich schreibe „Absatz“ und „runter“, dann war das gefühlt mindestens eine Schlucht. Aber jeder traute sich dann doch, auch über das Brett, welches als Steg zu zwei aufeinander liegenden Paletten führte. Zum Abschluss von Tag 2 zerstörte ich kurz noch meine vordere Bremsscheibe, als ich beim Hinterrad Anheben mit dem Vorderrad  beim Abtauchen an der Palette hängen blieb.

Fazit Tag 1
Super nette Leute, du kannst mehr als du dich traust, dein Fahrrad eh, und Schwund (Bremsscheibe) gibt´s immer.

Am Abend wurden dann die Zimmer in der JUHE bezogen, die sauber und ansprechend waren, und zu Abend gegessen. Es gab reichlich zu essen und jeder wurde satt, die Kohlenhydratspeicher wurden gefüllt, denn obwohl keine Gewalttour unternommen wurde, so steckte das Balancieren und Gewichtsverlagern sowie das auf dem Bike Hüpfen und Ziehen ganz schön in den Gliedern. Bei einem gemütlichen Beisammensein im Anschluss wurde das alte Spiel „Die Montagsmaler“ mit Begriffen aus dem Fahrrad-Bereich gespielt, und alsbald die Zimmer zur Nachtruhe aufgesucht.

Samstag:

Nach einem reichhaltigen Frühstück auf 3 Sterne Niveau ( soviel vorneweg: am Sonntagmorgen gab´s „live Cooking“, da wurden Eier nach Wunsch an der Theke zubereitet), wurde vor der Einteilung in zwei Gruppen ein sogenannter Bikecheck durchgeführt. Hierbei wurde unter anderem festgestellt, dass Franzis Bike „Uschi“, und Ferdi´s Bike „Bergepanzer“ heißt. Ob das wohl an Farbe und Größe liegt? Die Fahrräder waren soweit i.O, meine Bremsscheibe hatte ich zwischenzeitlich ersetzt, obwohl Oli B.sie soweit wieder hinbekommen hatte, was ich nicht vermutet hätte.

Die Gruppeneinteilung erfolgte zwanglos, wobei sich schnell herauskristallisierte, dass die Gruppe „Komme was wolle“ von geübteren und eher jüngeren Fahrern besetzt war. Ihr dürft raten, in welcher mein Sohn Sascha war. Ich war im Team „Take it Easy“ und das war gut so!

Mein Magen meldete sich, nicht wegen des Frühstücks, ich war angespannt, was kommen würde. Der Singletrail Technikparcours beginnt direkt an der JUHE. Zuerst ging´s zum Oberteil der rosa Strecke, welches die Slalomstrecke ist. Hier wurde das Fahren im Gefälle mit engen und noch engeren Kurven geübt. Auch hier waren natürliche Hindernisse im Weg wie zum Beispiel: lockerer Untergrund, sandig, erdig, Laub, kleineres Geröll, Steine und natürlich BÄUME.

Immer auf die Blickrichtung achten, das hatten wir zwar schon mehrfach geschult bekommen, aber automatisiert, verinnerlicht hatte ich es noch nicht. Gib mir den Blick! Wohin schaust du! Hierhin schauen, immer voraus! Und dann war da noch das Gefälle, ja es ging bergab, und um die Kurve, was sag ich… ums Eck ging,s. Hintern leicht nach hinten geschoben, Sattel unten, das heißt nicht ausruhen aufm Sofa, neutrale Position aufm Bike, loser Untergrund, anbremsen ohne blockieren, Blick vor der Kurve auf die selbige, abscannen, registrieren, entscheiden, Blick auf Ausgang und den weiteren Weg. Durch, geschafft!

Pah…in der Theorie. Das braucht Übung… und Zeit.           und die nahmen wir uns.

Und da gab´s dann auch noch besagte natürliche Hindernisse. Vom inneren Schweinehund mal ganz abgesehen, Ich zögerte nicht nur einmal, aber jeder einzelne motivierte den anderen, und half ihm. Und so erarbeiteten wir uns Kurve für Kurve, gemeinsam, als Team. Auch das war eine tolle Erfahrung. Man kannte sich schließlich erst gut 24 Stunden.

Jede Kurve, jeder Hang, jeder Absatz, jeder Stein und – ja – jeder Schweinehund wurde so zusammen bezwungen. So fuhren wir dann noch einen Teil der blauen (leicht), der gelben (leicht bis mittel) und der roten Strecke (mittel).

Kurz vor Mittag ereignete sich dann noch ein tragischer Zwischenfall. Nachdem Markus noch kurz vorher mehrfach einen Baumstumpf als Absprung über eine kleine Rampe genommen hatte, zerbrach sein Bike, nachdem wir unten angekommen waren und wieder hoch pedalieren wollten, in der Mitte. Einfach so. Knack, direkt am Tretlager. Nicht auszudenken was da passieren hätte können! Er nahm‘s gelassen. Sportlich wie er ist, joggte er den Rest des Tages neben uns her und tauschte bei den Abfahrten und den zu erarbeitenden Stellen das Bike mit seinem Freund. Als bei mir nachmittags die Luft raus war, nicht am Bike, sondern bei mir, stellte ich ihm mein Fahrrad zur Verfügung. Und so konnte auch er noch einen der letzten an diesem Tag gefahrenen, flowigen Trails unter die Räder nehmen.

Nach dem Abendessen haben wir noch gemeinsam die Filme und Bilder des Tages analysiert und wurden noch kurz ins Kartenlesen und GPS-Daten und Wegstrecken Erstellen eingeweiht. Nur gut dass es Guides gibt.

Fazit Tag 2
Der Blick , der Blick, der Blick! Vertraue deinen Fähigkeiten, deinem Können und den Einschätzungen und der Hilfe des Teams.
Sonntag:

Nach dem schon erwähnten Showcooking wurden die Taschen gepackt, die Betten abgezogen, und man traf sich vor der JUHE zum Gruppenbild. Anschließend wurde bei einer gemeinsamen Ausfahrt der Pfälzer Wald unter die groben Stollen genommen. Versprochen wurden uns flowige Trails und gut zu beherrschende Singletrails in näherer Umgebung. Nach einigen Kilometern auf Waldboden durchquerten wir ein kleineres Dorf und pedalierten anschließend einen etwas längeren asphaltierten Anstieg hoch. Oben angekommen entledigten wir uns erstmal unserer Jacken. Im Gegensatz zum letzten Jahr waren wir mit Kaiserwetter über alle 3 Tage gesegnet.

Dann ging‘s weiter über Trails hoch bis zu einer Hütte im Wald. Im Biergarten stärkten wir uns ein wenig, bevor es wieder runter und rauf und runter und rauf und runter ging. Kurzes Verweilen bei der Ruine Frankenstein, bevor es weiter – ihr könnt es euch denken – runter und rauf und runter und rauf ging.

Machte irre Spaß, das bisher Erlernte anzuwenden. SO bin ich bisher noch nie irgendwo runtergefahren.

Leider ließen mit der Zeit und der Anstrengung nicht nur meine Kraft und Konzentration nach, auch Gerhard, welcher die Laterne hielt, leistete sich noch kurz vor Schluss einen kleinen Lapsus. Nach der letzten Welle vor dem querenden Weg rutschte ihm vor uns allen Wartenden das Vorderrad weg. Nicht viel passiert, aber wir hatten zwei Notfallmediziner dabei, welche ihr über Jahre Erlerntes an Gerhard anwendeten. Volles Programm, mit Desinfektion und Verband. Eigentlich fehlten nur noch die Tetanusspritze und die Absolution.

Lachend ging´s weiter ins Kaninchenheim am Fuße der JUHE. Dort ließen wir uns dann noch geschafft vom Geschafften, beglückt und stolz auf das Geleistete gute traditionelle Pfälzer Hausmannskost schmecken. Kurzer Anstieg nochmal zur JUHE, Räder aufladen, gebührende Verabschiedung, dann diesmal über die B37 und 39 auf die Autobahn Richtung Heimat.

Fazit Tag 3
Supernette Leute beim Rottenburger Alpenverein

Ich brauche mehr Kondition und Übung, Übung, Übung.

Die Einteilung der Schwierigkeitsgrade erfolgt nicht nur in S0-S5, sondern auch in Farben, nicht gerade hilfreich…

Aber Terminkalender raus…Vinschgau … ICH KOMME

 

Mit der Bremsscheibe winkt Ralf


Termin: 07.04.2017 – 09.04.2017
Tourenbericht: Ralf S.
Kurs-Leitung: Gerhard Lude, Ferdi Thieme
Teilnehmer: Dani und Oli B., Oli S., Ralf und Sascha S., Clemente A., Fabian W., Markus N, Benedikt H., Franzi W., Volker K.

Stützpunkt:

 

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