La Petite Suisse de Luxembourg

Erlebniswanderung in Hunsrück, Eifel und Luxemburg

Luxemburg? Da liegt mein Geld, na gut, aber Wandern? Wenig bekannt ist dieses kleine, wald- und felsenreiche Land an Mosel und Sauer zwischen Deutschland und Frankreich. Und seine allerschönste Ecke nennt sich „Kleine Luxemburgische Schweiz“, vom Herrgott extra zum Wandern gemacht.  

Das war das Ziel unserer viertägigen Tour, mit Abstechern im Hunsrück, Eifel und an der Mosel.

 

Der Freitag: Adrenalin

Der Freitag begann mit leichten Sorgen hinsichtlich des Wetters: von Westen her kommend waren im Laufe des Tages starke Regenfälle angekündigt; das wären keine guten Voraussetzungen für die Überquerung der Geierlay-Brücke. Diese Brücke war nämlich das erste Etappenziel, Deutschlands höchste und längste Hängebrücke im Hunsrück über einem Seitental der Mosel, erst vor 2 Jahren fertiggestellt. Das lag (fast) auf der Strecke nach Luxemburg – naja, insgesamt war es schon ein 90km-Umweg. Die Fahrt dahin in 3 Fahrzeugen verlief noch trocken, von heftigen Regenfällen keine Spur. Im Dörfchen Mörsdorf bei Kastellaun trafen wir dann minutengenau mit Wolfgang und Ulrike zusammen, die unabhängig von uns angereist waren.

Noch 2 Kilometer Fußmarsch vom Parkplatz, dann kamen wir am diesseitigen Brückenlager an – zusammen mit dem erwarteten Regen. Toll! Glücklicherweise war er aber nicht so stark, dass er uns von der Begehung des schwingenden und schwankenden Bauwerks abgehalten hätte. 360 lange Meter, 100 Meter über dem Talboden, auf schmalen Holzbohlen, gesichert mit filigranen Stahlseilen und Netzen trieben den Adrenalinspiegel nach oben.

Mit feuchten Händen (natürlich nur vom Regen 😉 ) kamen wir an der gegenüberliegenden Seite an und mussten rückblickend über die Brücke feststellen: eigentlich gar nicht so schlimm! Noch während wir berieten, ob wir angesichts des Wetters über die Brücke zurückkehren sollten, oder den geplanten Abstieg ins Tal und Wiederaufstieg auf der gegenüberliegenden Seite wandern sollten, hatte der Regen auch schon wieder aufgehört; Petrus hatte wohl die ganzen Warnungen der Meteorologen einfach ignoriert. Also durch den Wald hinunter auf die Talsohle, irgendwo unter der Geierlay-Brücke hindurch (die aus der Tiefe recht unauffällig wirkte und von uns sogar beinahe übersehen wurde), um nach 2 Stunden pünktlich zum Ablauf der Parkzeit wieder bei den Fahrzeugen in Mörsdorf anzukommen.

Gut im Zeitplan führte uns die Weiterfahrt nach wenigen Kilometern nach Cochem an der Mosel, wo wir es uns nicht nehmen ließen, eine Besichtigung des Historischen Weinstädtchens unterhalb einer imposanten Reichsburg zu machen, natürlich verbunden mit einem gemütlichen Café in der Altstadt. Letzte Regenschauer konnten uns unter riesigen Terrassenschirmen nichts mehr anhaben und wurden schließlich auch von einer warmen und freundlichen Sonne abgelöst.

Aus dem Moseltal hinaus ging es anschließend über die Höhen der Eifel, vorbei an mehreren vulkanischen Maaren, über Daun und Bitburg Richtung Luxemburg. Unmittelbar nach Passieren der Grenze in Echternacherbrück (D) befanden wir uns am Etappenziel des heutigen Tages, in Echternach (L). Dort erwartete uns in parkähnlicher Umgebung an einem idyllischen See die sehr modern und gut ausgestattete Jugendherberge, die auch das Quartier für die nächsten Tage und Ausgangspunkt unserer Wanderungen sein sollte.

Der Samstag: Faszination Felsen

Das eigentliche Ziel der ganzen Unternehmung war die Luxemburgische Schweiz (La Petite Suisse de Luxembourg), eine wald- und felsenreiche Landschaft im Osten des kleinen Landes. Zentrum dieser zauberhaften Landschaft ist das romantische Müllerthal, für den Wanderer ist es sehr gut erschlossen über den Müllerthal-Trail. Dieser 120 km lange Trail besteht aus 3 zusammenhängenden Schleifen, von denen wir die mittlere Schleife in Angriff nehmen wollten, rund 38 km auf zwei Tage verteilt.

Am Samstagmorgen begaben wir uns also zur Bushaltestelle in Echternach, um mit dem Bus nach Consdorf zu fahren, einem Dörfchen ca. 15 km von Echternach entfernt. Ein wunderschöner Fußweg über Wiesen und Kuhweiden führte uns talwärts vorbei an eindrucksvollen Felsen, die einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage zuließen, auf den gut ausgeschilderten Weg. Von dort aus besteht die Möglichkeit, jeweils etwa die Hälfte der Rundschleife in südlicher oder nördlicher Richtung zu wandern, wobei man in jedem Falle in Echternach wieder ankommt. Heute war erstmal der südliche Teil an der Reihe.

Die Frühsommer-Sonne kämpfte sich immer wieder durch die dicht belaubten Baumkronen, zusammen mit den aufsteigenden Nebeldämpfen tauchte sie das noch feuchte Tal in eine märchenhafte Stimmung. Bald begleiteten uns riesige Felswände aus Grauem Sandstein bis unser schmaler Pfad schließlich nach einer guten halben Stunde an einer Felswand endete. Jedenfalls sah es erstmal so aus, tatsächlich befand sich in der Felswand ein schmaler senkrechter Spalt, der über in den Stein gehauene Stufen betreten werden musste. Gerade breit genug für eine Person (Dicke werden aussortiert!) zog er sich vielleicht 30 Meter durch den Fels, durchaus geeignet, um Leute mit Platzangst in Panik zu versetzen. Begeisterte Mienen ließen sich schließlich am Ausgang des Spaltes bei allen Wanderern beobachten.

Es sollte nicht die einzige Attraktion dieser  Art bleiben:

Höhepunkt dieser Felsabenteuer war die Passierung des „Kohlscheuer“ genannten Felsens. Der schmale, etliche Meter hohe Spalt war nach oben geschlossen, kein Lichtstrahl konnte dort eindringen. Er war Teil eines durch Verwerfungen und Erosion geschaffenen Spaltensystems; man hatte den Eindruck, in einem absolut dunklen Labyrinth zu stecken. Nur mit Taschenlampen bewaffnet und den Rucksack vor uns herschiebend konnten wir nach etwa 50 Metern wieder ins Tageslicht eintreten.

Nach rund 18 km waren wir wieder in unserer JuHe in Echternach, nach einer Dusche begaben wir uns zur Besichtigung des pittoresken Städtchens und schließlich zum Abendessen beim Luxemburger Portugiesen in die Fußgängerzone.

Der Sonntag: Klaustrophobie

Gleiches Spiel wie am Vortag: mit dem Bus nach Consdorf, an den Weidekühen vorbei zum Trail, nur diesmal die andere Richtung nach Norden. Eine Vielzahl an aufregenden „begehbaren“ Felsen, Spalten und Schlupfen säumte den waldigen Weg. In einem Seitental stießen wir auf den Schießentümpel, ein kleiner, sehr fotogener, überbrückter Wasserfall der Schwarzen Ernz, direkt an einer Fahrstraße und entsprechend stark besucht. Weiter vorbei an ehemaligen Mühlen, durch Wiesengrunde und lichte Laubwälder. Und immer wieder Felsen, oft mit gesicherten Plattformen auf ihren Höhen, die über Sandsteinstufen oder in schmale Spalten hineingebaute Leitern erstiegen werden konnten. Nach etwa der halben Strecke machten wir auf einer dieser Aussichtsplattformen unsere Vesperrast, danach ging es durch eine etwas breitere Felsenschlucht abwärts zur Straße, wo der Wanderweg die Talseite wechselte.

Zuvor jedoch meinte unser Wanderführer Gustav, er hätte noch vor Erreichen der Straße „eine Kleinigkeit vorbereitet“. Diese kündigte sich an durch eine blaue Farbmarkierung mit der Aufschrift „30 cm“ in der erwähnten Felsenschlucht, so unauffällig, dass sie zuerst von allen übersehen wurde, so dass Gustav den Trupp zurückpfeifen musste. Ein schmaler Schlupf führte seitlich in der Schlucht in die Felsen hinein, um wieder auf ein Spaltensystem zu stoßen. Hier zeigte sich die Bedeutung der „30 cm“. Es sollte die Breite des Spaltes angeben, und es zeigte sich, dass der Durchgang tatsächlich nicht für alle gedacht war, obwohl es anfangs doch ein bisschen mehr als 30 cm waren. Der Spalt war hell und nicht sehr lang und es hatte den Anschein, als stoße er frontal auf eine andere Felswand um dort zu enden. Tatsächlich aber zweigte er dort im rechten Winkel ab, um sich um weitere 10 cm verengt fortzusetzen. Nach 10 Meter der nächste Abzweig. Hier waren es keine 30 cm mehr, die nächsten Meter waren nur passierbar, indem man die Luft anhielt, sich seitlich gehend mit kleinen Schritten regelrecht durch den Spalt zwängte und seinen Rucksack dabei vor sich herdrückte. Es war so aufregend und machte so viel Spaß, dass manche Mitwanderer sofort die Lust auf eine nochmalige Durchschreitung bekamen. Gell, Thomas!

Nach einem Zwischen-Bierchen im Dorf Berdorf, das wir unterwegs passierten, führte der Weg vorbei an einer weiteren Vielzahl an sehenswerten Ein- und Ausblicken, Felsen, Schluchten, Höhlen und Amphitheater. Recht erschöpft und zufrieden erreichten wir nach einem langen Wandertag Echternach, wo am historischen Marktplatz eine Vielzahl an guten Restaurants und Kneipen auf uns wartete.

Der Montag: Augusta Treverorum

Nochmal Wald und Felsen? Oder zur Abwechslung mal Stadt? Gustav hatte beides im Angebot und bei der vorausgegangenen Tourenbesprechung zur Wahl gestellt. Die Wahl fiel auf Stadt. Nicht irgendeine Stadt, sondern Trier; Deutschlands älteste und doch so junge Stadt, das römische Augusta Treverorum.

Vor der Porta Nigra wartete bereits unser Stadtführer auf unsere Gruppe, der uns die nächsten dreieinhalb Stunden durch die alten Gassen und Plätze des römischen Trier führte und die Geschichte in spannenden Erzählungen nahe brachte. Selbst Gustav, der hier groß geworden ist, musste zugeben, dass vieles für ihn neu war. Stationen waren Hauptmarkt mit Marktkreuz und seiner pikanten Geschichte, Domfreihof, römische Basilika, Palastgarten sowie ausführliche Besuche und Führungen durch die Kaiserthermen und das Amphitheater. Auf dem Rückweg bewahrte uns die Weinstube Kesselstatt mit Ihrer Speisekarte und ihrer schönen Terrasse am Domfreihof vor Hunger und Durst, und manch einer wäre gerne noch in dieser wundervollen weinseligen Umgebung sitzen geblieben.

Leider reicht ein Tag nicht für Trier – um dennoch einen besonderen Überblick über die Stadt zu bekommen, schlug Gustav einen Abstecher zur Mariensäule vor. Eine 40 Meter hohe Marienstatue auf einer senkrecht abfallenden Sandstein-Felswand, und eine Wahnsinns-Aussicht auf die Stadt und die Mosel. Ein letzter Höhepunkt der Reise – im wahrsten Sinne des Wortes.


Termin: 09. – 12. Juni 2017
Organisation/Führung: Gustav Rechlitz

Teilnehmer: Marlies, Hedwig, Margit, Thomas & Roswitha, Wolfgang & Ulrike, Hubert, Dietrich, Josef, Eberhard und Heiko
Autor: Gustav Rechlitz

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