Hochtouren an der Ortler Front

… in besten Händen mit drei Bergführern

Bei schönstem Wetter machten wir uns an einem verlängerten Wochenende im Juni zu dritt auf in die Lombardei. Bei der Fahrt über die Schweiz nahmen wir so gut wie jeden Bergpass mit. Vor Ort trafen wir uns mit Gise auf dem großen Parkplatz in Niblogo am Eingang des Val Zebrù. Zu zweit ging es zu Fuß durch das wunderschöne und mäßig ansteigende Val Zebrù.

Zwei weitere Teilnehmer fuhren mit dem Shuttle-Taxi bis zur Baita del Pastore und sparten so gut 550 Höhenmeter im Aufstieg. Dafür hatten sie allerdings auch das Seil mitgenommen.
Ab der Baita del Pastore ging es steiler aufwärts. Über schöne Wege an grasigen Hängen in voller Blüte, die einen tollen Kontrast zum steinigen und eisigen Hintergrund-Panorama bildeten. Auf ca. 2.500 Metern gab es dann allerdings nur noch einen Schotterweg (Fahrweg), dem man folgen konnte. Nicht schön, doch mit einem Highlight: Wenige Meter vor uns standen drei Steinböcke auf dem Weg. Völlig unbeeindruckt von uns, ließen sie uns sehr nahe an sich herankommen, bevor sie gemütlich Platz machten. Immer wieder beeindruckend, diese majestätischen Tiere beobachten zu dürfen.

Unterhalb des Steinvorsprungs, auf dem das Rifugio Quinto Alpini exponiert steht, galt es, durch ein großes Schneefeld aufzusteigen, bevor wir die tolle Aussicht von dort oben genießen durften. Natürlich durfte der Kuchen dazu nicht fehlen.

Die Hütte hatte nach der Winterpause erst an diesem Tag aufgemacht. Sie war gut besucht, zumal hier auch viele übernachten.
Wir waren die einzige Gruppe, die eine Hochtour geplant hatte. So war es uns ganz recht, dass wir ein kleines, gemütliches Lager für uns alleine hatten. Nach einem leckeren Abendessen ging es zeitig ins Bett. Wir wollten um 5 Uhr aufbrechen, da für die nächsten Tage heißes Wetter vorhergesagt war.

Nach einem guten Frühstück ging es in der Dämmerung los. Zuerst auf eine Kuppe, dann wieder ein Stück abwärts zum Ghiacciaio dello Zebrù. Diesen querten wir, um in Richtung Zebrùferner zu gelangen. Auf den dortigen Felsen legten wir die Steigeisen an und gingen in Seilschaft. Richtige Spuren waren im Schnee nicht zu sehen. Auch die Spalten waren gut dur

ch den Schnee verdeckt. Linksseitig ging es Richtung Hochjoch-Biwak am Fuße der Thurwieserspitze und hoch zum Großeiskogel. Der Tag begann so langsam zu erwachen und wir bewegten uns in Richtung Sonne und dem Biwak entgegen.

Das Biwak ließen wir unbeachtet links liegen und begaben uns nun nach rechts, um an der Flanke über den Grat zum Gipfel des Monte Zebrù aufzusteigen. Ab hier ging es nun steil aufwärts, zuerst in Schnee und Eis, später vorsichtig am brüchigen und ebenfalls mit Schnee und Eis bedeckten Grat entlang. Das Gipfelkreuz des Monte Zebrù ist ein einfaches Holzkreuz, das zum Großteil noch im Schnee versteckt war. Für ein großes Kreuz hat es auf dem Gipfel auch nicht wirklich Platz.

Die Aussicht vom Gipfel war grandios. Hatten wir doch bestes Wetter und eine phänomenale Fernsicht. Ortler, Königspitze, Cevedale, Punta San Matteo, Piz Bernina und noch viele mehr durften wir bestaunen. Der Abstieg erfolgte auf der Aufstiegsroute, deren Untergrund mit zunehmender Sonneneinstrahlung weicher wurde. Auf der Hütte angekommen suchten wir uns zuerst einmal ein schönes Plätzchen zum Ausruhen und genossen ein leckeres Kaltgetränk. Kuchen gab es natürlich auch noch.

Am zweiten Tag war der Cima della Miniera anvisiert. Ein Nebengipfel des Monte Zebrù. Man könnte von hier eine Überschreitung ins Val Cedec machen. Da uns Gise aber nach dieser Tour verlassen musste und das Auto in Niblogo stand, war der Plan, wieder zurück zur Hütte zu gehen. Auch hatten wir für die nächste Nacht ein Quartier im Rifugio Stella Alpini gebucht und mussten uns daher eh verlagern.

Früh am Morgen ging es also am Samstag wieder los. Der erste Teil war identisch zum Tag davor, nur dass wir dieses Mal auf dem Ghiacciaio dello Zebrù im Aufstieg blieben. Es war wärmer als am Tag zuvor, obwohl die Nacht klar war. Der Aufstieg über den Gletscher ging problemlos. Der Weg über den Grat entpuppte ich sich allerdings schwieriger als gedacht. Auch hier hatten wir es mit brüchigem sowie mit Schnee und Eis bedecktem Fels zu tun. Am letzten Stück – kurz vor dem Gipfel – ist ein Seil angebracht, welches ein wenig Unterstützung im Auf- und Abstieg leistet. Ein richtiges Gipfelkreuz fanden wir auch hier nicht vor. Bernd hatte die auseinander gefallenen Holzteile notdürftig zusammengebastelt, so gab es zumindest eine kleine Entschädigung.

Der Gipfel des Cima della Miniera ist eher ein Kogel als ein Gipfel und liegt im mächtigen Schatten der Königspitze. Trotzdem kann man auch hier nicht über das Bergpanorama meckern. Der Abstieg erfolgte über dieselbe Route wie im Aufstieg. Auf der Hütte packten wir gemütlich unsere restlichen Sachen zusammen und stiegen dann zu dritt zum Auto ab. Pünktlich vor dem Gewitter kamen wir im Valle di Forni im Rifugio Stella Alpini an.

Für den Sonntag hatten wir uns noch den Monte Confinale vorgenommen. Ein schöner aussichtsreicher Berg, der noch viel Schnee zu bieten hatte. Wieder ging es früh am Morgen los – diesmal nur zu zweit, aber wieder bei bestem Wetter. Wir gingen auf schönen Pfaden direkt vom Rifugio aus stetig aufwärts. Kurz unterhalb des Lago della Manzina waren wieder Steinböcke zu beobachten. Nach dem See lag mehr Schnee immer mehr zu. Die kalte Nacht hatte eine gefrorene und rutschige Schneedecke hinterlassen. Ab dem Bivacco Giampaolo Del Piero durften wir uns über die Sonne und etwas weicheren Schnee freuen. Der Rest des Aufstiegs ging über zum Teil steile schneebedeckte Flanken, bis zum letzten Stück im Gipfelanstieg, das uns über Blockwerk in leichter Kraxelei zum ersten Gipfel mit einem richtigen Gipfelkreuz führte. Wir gingen gleich weiter zum zweiten Gipfel mit einem großen Steinmandl.

Nach einer kurzen Genusspause gingen wir fast auf dem gleichen Weg wieder zurück. Aber nicht ohne noch die Glocke am Gipfelkreuz zu läuten und dem Versuch, dem dort angebrachten Horn einen Ton zu entlocken.
Beim Abstieg konnten wir die Schneefelder so gut es ging direkt durchqueren, was bei dem nun leicht angetrauten Schnee kein Problem war. Während wir schon am Abstieg waren, kamen uns im unteren Drittel die ersten „Aufsteiger“ entgegen. Der Monte Confinale scheint ein beliebtes Ziel zu sein.

Nach einer kleinen Kuchenstärkung am Rifugio ging es an die Rückfahrt mit einem kleinen Stopp und leckerer Pizza in Semogo auf der Panoramaterrasse. Ein gelungener Abschluss von vier schönen Tagen in der Lombardei.

Tour / Veranstaltung Hochtouren an der Ortler-Front
Touren-Nr BHT504
Datum / Zeitraum 19. – 22. Juni 2025
Tourenleiter Hermann Elsenhans
Teilnehmer Bernd, Gise, Elke
Bericht Elke
Koordinaten / Ausgangsort Rifugio Quinto Alpini