Skitourenwochenende in den Stubaier Alpen

Im tiefsten Pulverschnee – Skitourenwochenende in den Stubaier Alpen

Durch frisch ausgebreitete, bis hüfttiefe Pulverschneehänge konnten sich jeden Tag aufs Neue die Skitourengeher/innen rund um die Franz-Senn-Hütte (Stubaital) an d`r Fasnet 2014 pflügen. Vier wunderschöne Tage in toller Atmosphäre, mit satt Schnee und garniert mit Gipfelglück bleiben in Erinnerung.

Stubaier Alpen - Im tiefsten Pulverschnee

Stubaier Alpen – Im tiefsten Pulverschnee

Schwankend am Eugen-Bolz-Platz-Kringel, im strömenden Regen des Rottenburger Fasnet -Freitagmorgen, stand ein Narr nach durchgefeierter Nacht wie ein Paar Skier im Sturmwind. Sein Gesichtsausdruck offenbarten seinen wichtigsten Gedanken: Ob ihn die nächsten Schritte über die Straße bringen würden oder der Länge nach auf diese drauf.

Auf der Straße waren wir kurze Zeit später, als Skier, Stiefel und Rucksäcke verstaut waren. Etwas Schneematsch auf der Alb, eine dünne Schneedecke auf den Wiesen stimmten uns auf das Skitourenereignis im Stubaital ein. Kurz nach Reutte, am Beginn des Fernpasses löste mich Toni am Steuer ab. Ein paar Kehren später stießen wir in der Raststätte Nassereith auf den Sektion-Außenposten Allgäu, sowie Claudia aus München.

Von der weiteren Anfahrt gibt es wenig zu berichten, da der Autor in den Sleep-Modus versetzt war. Der erste Eindruck des Stubaital passte nicht mit der Vorstellung zusammen: Schnee, wo bist du? Dafür hat mich der weite Blick durch das breite Tal und die schöne Mittagssonne erfreut. Ach je fast vergaß ich zu erwähnen: Tirol hatte uns bereits in Reutte mit Sonne, blauem Himmel und leichten Wolken begrüßt.

Zur ordentlichen Mittagszeit, um halb Eins, hatten wir Rucksack auf dem Rücken, Skier an den Stiefeln und Stöcke in den Händen. Eine Trinkpause und etwa 150 Minuten später sahen wir die Franz-Senn-Hütte – gewaltig dachte ich. Doch der große Bau hat seinen Hüttencharakter erhalten. Es sind schöne Räume und ein gut abgestuftes Angebot von einfacher Übernachtung im Lager bis Halbpension im Doppelzimmer.

Die für die Wintersaison wechselnden Wetterverhältnisse kamen uns am nächsten Tag, dem Samstag zugute. Die Sicht war gut, der Niederschlag bei 0% – nach dem Frühstück. Weil sich das Wetter während des Aufstiegs gut entwickelte, entschieden wir uns nach der ersten Trinkpause und kurzer Beratung auf ca. 2600 Hm ( Hütte liegt auf 2145 Hm) , flexibel und dynamisch wie wir sind, für die Innere Sommerwand um. Also Skispitzen nach SWS ausrichten und hoch zur Kraulscharte. Dort angekommen Ski aus, Fell runter, Steigeisen an, Pickel raus und dem nun starken Wind trotzend den kurzen, mit Fixseilen gesicherten Gipfelgrat hoch: da standen wir alle Sieben auf dem Gipfel (3122Hm).

Schnell waren wir auch wieder am Skidepot und stürzten uns in den tollen Schnee den Hang hinunter – Supi! Das Wetter zeigte uns weiterhin die umliegenden Gipfel und nicht etwa wie erwartet, dichte Wolken. Deshalb kramten wir dann die Felle wieder raus, um bei 2500 Hm Richtung Knotenspitz aufzusteigen. Das auf gut 6 Hm/Min. gesteigerte Tempo forderte die Kondition des Autors sehr, weshalb mir die schlechten Verhältnisse in der Gipfelrinne und der damit verbundene Umkehrpunkt an deren Beginn, nicht ungelegen kamen. Die Abfahrt von dort bis zur Hütte war ein schöner Schluss des ersten Ausflugs!

Nach ein paar entspannten Nachmittagsstunden, nach entspannender Dusche, verbrachten wir, erweitert um Martin, einen ebenso entspannten Abend.

Weiß empfing uns der nächste Morgen – gefallener Schnee vor der Hütte, ringsum auf den Bergen und wohl noch jede Menge in den Wolken über uns. In Zuversicht der angesagten Wetterbesserung schoben wir die Skier durch das Weiß ins Alpeinertal. Dort bogen wir dann nach NW Richtung Verborgen-Berg-Jenner (Anm.: steht genauso in der Karte) ab. Mit denen von Gise in sein GPS erfassten Wegpunkten „orientierten“ wir uns, stiegen durch die dünne Bewölkung auf und wurden bald belohnt. Der Himmel zeigte sich und mit ihm das Schraudeck, Vorder – und Hinter-Wilder- Turm. Nach weiteren Spitzkehren standen wir etwa 3 ½ h nach Abmarsch an der Turmscharte. Die nun folgende Kraxeleinheit um 40 Hm gefiel allen, würzte sie den Aufstieg ein wenig. Oben angelangt kamen die Skier wieder vom Rucksack runter, die Steigeisen in denselben rein und die Stiefel in die Bindung. Ein halbes Stündchen später waren wir am Gipfel des Hinteren Wilden Turms (3294 Hm) angelangt, unserem sonntäglichem Ziel.

Ob die Narren zur selben Zeit gleich enthusiastisch durch Rottenburg tobten wie wir, als wir 1000 Hm durch knietiefen, frischen, unverspurten Pulver stoben – wer weiß. Auf jeden Fall die schönste Abfahrt des Winters!

Einer klaren Nacht folgte ein toller Morgen – Rosenmontag – und dieser beschleunigte unseren Aufbruch. Sollten wir einen halben Tag gutes Wetter haben und vielleicht die Ruderhofspitze (3473 Hm) besteigen können? Kurz nach halb acht waren wir unterwegs, wie tags zuvor ins Alpeiner Tal hinein. In sehr gleichmäßigen und guten Tempo gingen wir viele Kilometer Tal einwärts. Über den Alpeiner Ferner gelangten wir bis zur Oberen Hölltalscharte (2247 Hm). Aufgrund des unsicheren Wetters und der unterschiedlichen Konditionen teilten wir die Gruppe. 2 Mann und 1 Frau bestiegen über den frisch verschneiten Grat die Ruderhofspitze (3473 Hm). 3 Mann und 1 Frau fuhren ein Stück ab, stiegen nochmals 150 Hm an und gönnten sich einen Pulverhang. Nach weiteren tollen Pulverhängen sind alle nachmittags wieder bei der Hütte eingetroffen – bei weiter Sonne und wenig Wolken! Auch am vierten und letzen Abend erfreuten wir uns am klasse Abendessen und an der wirklich toll geführten Hütte, deren Besuch ich nur empfehlen kann!

Tourenleiter: Gise Schiebel
Teilnehmer/innen: Birgit Fischer, Claudia Hahn, Karl-Heinz Rasch, Martin Weigele , Bernd Widmann, Toni Mayer, Viktor Löffler
Autor: Viktor Löffler
Zeitraum: 01.03.2014 bis 04.03.2014

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