Aus sechs mach zwei

Wetterpech auf dem Inntaler Höhenweg, dem Tuxer Alpen Trail

Sechs Tage und sechs Gipfel waren angekündigt. Und zehn Teilnehmer, die sich tierisch darauf freuten, diesen Trail durch die stillen Tuxer Alpen, zwischen Inntal, Brenner und Zillertal zu absolvieren. Wochenlange, rekordverdächtige Schönwetterperioden im diesjährigen Sommer ließen auf eine schöne Tour hoffen, aber dann kam Tief Balduin (wahrscheinlich hieß es ganz anders) und machte uns einen Strich durch die Rechnung.

gut gelaunt am Start

gut gelaunt am Start

Die Teilnehmer fuhren auf getrennten Wegen über den Fernpass und trafen schließlich in Nassereith zu einem kleinen Imbiss zusammen, um dann gemeinsam nach Innsbruck-Igls zu fahren. Die Sonne schien noch, als wir mit der Seilbahn an der Patscherkofel-Hütte, dem Ausgangspunkt des Trails, ankamen. Wunderschöne Tiefblicke nach Innsbruck, ins Inntal und auf die Europabrücke am Brenner waren uns noch vergönnt. Und die erste Stunde über den zauberhaften Zirbenweg, bei strahlendem Sonnenschein und in kurzen Hosen ließ noch nichts vom späteren Wetterumschwung ahnen.

Bald aber konnte man eine Wolkenwalze vom Brenner heraufziehen sehen, die uns schließlich in der Stein- und Geröllwüste des Glungezer einholte. Die Temperatur fiel um gefühlte 20 Grad, der kalte Regen peitschte uns um die Ohren, und Donner und Blitz sorgten in dieser schutzlosen Gegend bei dem einen oder anderen für Gänsehaut (tja, wie verhält man sich bei Gewitter in den Bergen, wenn man nur möglichst schnell die schützende Hütte erreichen will?)

Auf 2610 m Höhe wurde endlich die einsam gelegene Glungezer Hütte erreicht. Der winzige Trockenraum war schon voll, die Duschen wegen Wassermangel (!) geschlossen, und der Wirt war wenig begeistert, als wir mit unseren nassen Klamotten seinen Gastraum betraten. Egal, wir waren endlich unter einem Dach, die gute Laune hatte keinen Schaden genommen. Und am Abend wurden wir mit einem schmackhaften und üppigen Abendessen (Kasseler mit Kraut, Suppe und leckerem Nachtisch) fürstlich entlohnt, und wer nicht genug bekommen konnte, kriegte Nachschlag solange der Vorrat reichte.

Gottfried, der Wirt unterhielt uns anschließend mit ansteckend guter Laune. Sein Steckenpferd: Wetterkunde, wie passend! So konnte er uns anschaulich die beiden möglichen Alternativen für den nächsten Tag beschreiben („… naß werdet ihr sowieso, egal welche Strecke ihr geht…“), wobei er uns bei den vorherrschenden Gegebenheiten von der Gipfelrunde dringend abriet.

Die Nacht war wenig beglückend: wir waren in ein sehr enges Lager in einem separaten Nebengebäude ohne eigene Toiletten und Waschräume gezwängt, froren bei geöffnetem Fenster oder hatten Atemnot wenn das Fenster geschlossen war. Wer nachts mal mußte, durfte sich mit Taschenlampe den Weg durch den Regen über rutschige Steine ins Haupthaus suchen. Mehr oder weniger ausgeschlafen entschieden wir nach einem wiederum fürstlichen Frühstück, auf Gottfried zu hören und die weniger heikle Alternativstrecke zur Lizumer Hütte an den Gipfeln vorbei (statt oben rüber) zu wählen.

Salamander1Es wurde ein weiter Weg, und alles andere als bequem. Sehr abwechslungsreich über Waldpfade, Wiesen, Stein und Geröll kostete es uns eine Menge Kraft und Kondition. So kam uns die Steinkaseralm ganz recht, wo der Almherr auf dem Hof in einem Brunnen mit fließendem Wasser Kisten mit Erfrischungsgetränken bereit gestellt hatte. Wer wollte, konnte hier die Dose mit ein paar Münzen füttern und ein köstliches Bier aus der Flasche genießen.

Zum Glück war das Wetter nicht ganz so schlimm, jedenfalls bis zum Nachmittag. Am Naviser Joch trafen wir auf unseren eigentlichen Weg und mußten feststellen, daß ein paar junge Wanderer, die wir morgens noch auf der Glungezer Hütte gesehen hatten, nicht auf Gottfried gehört hatten und den Gipfelpfad über Glungezer, Kreuzspitze, Rosenjochund Grünbergspitze gewählt hatten. Wahrscheinlich hätten wir es auch geschafft …

wolkiger Blick auf dem Naviser Joch

wolkiger Blick auf dem Naviser Joch

Der weitere Weg führte jetzt an der Mölser Sonnenspitze vorbei überwiegend über Wirtschaftswege. Allmählich setzte Regen ein und wurde zunehmend stärker; bis zur Lizumer Hütte sollte er nicht mehr aufhören. Deswegen freuten wir uns, hier endlich vernünftige Duschen und einen großen warmen Trockenraum vorzufinden. Der Abend verwöhnte uns auch hier mit einem sehr guten und üppigen Abendessen, das nach Nachschlag rief. Und die Nacht war deutlich angenehmer als am Abend zuvor.

Ausgeschlafen ging der Blick auf das vorherrschende Wetter und die pessimistischen Vorhersagen für die nächsten 4 Tage. Keine Chance, keine Hoffnung auf Besserung. Franz ließ dann seine Mitwanderer entscheiden: weitergehen oder abbrechen; und die Mehrheit entschied: abbrechen. Was hätten wir auch davon gehabt? Mitten in den Bergen, aber keine Berge zu sehen. Wo blieb der Spaßfaktor?

Zum Glück war die Hütte mit Fahrzeugen zu erreichen, so konnten wir also ein Taxi rufen, das uns eine Stunde später nach Wattens ins Tal und die Fahrer weiter nach Igls brachte, um die Autos für die Heimfahrt zu holen. Über Kiefersfelden und München ging es zurück, so daß wir am späten Nachmittag – vier Tage zu früh – Rottenburg erreichten.


Termin: 15.08.2015 – 20.08.2015
Tourenführer: Franz Johner
Teilnehmer:
Autor: Gustav Rechlitz

Location:

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