Karwendel

Karwendel-Nordkette

Schweißtreibende Wanderungen im Karwendel

Gruppenbild vor der Bettelwurf-Hütte im Karwendel

Gruppenbild vor der Bettelwurf-Hütte im Karwendel

Am Freitag, 02.08.13, starteten wir um 7 Uhr mit zwei PKWs am Rottenburger Bahnhof in Richtung Karwendel. Nach einem kurzen Zwischenstopp erreichten wir nach guten vier Stunden unser Ziel Seefeld in Tirol, von wo aus wir unsere erste Etappe gemütlich mit Standseilbahn und Seilbahn bestritten.

Oben am Seefelder Joch angekommen, ging es per pedes weiter und schon nach einem kurzen Marsch konnten wir uns um das erste Gipfelkreuz auf der Seefelder Spitze (2221 m) scharen. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir eine herrliche Aussicht ins Karwendel und die umliegenden Alpengipfel. Zwei weitere Gipfelkreuze auf dem Reither Joch (2192 m) und der Reither Spitze(2374 m) folgten auf dem Pfad. So ging es mal rauf, mal runter. Nach einer kurzen schweißtreibenden Wanderung, gelangten wir zu unserer ersten Unterkunft, der Nördlinger Hütte, wo uns eine resolute tirolerische Hüttenwirtin begrüßte. Im Laufe des Aufenthaltes durfte der eine oder andere Gast noch intensiver mit ihrem Temperament in Berührung kommen und feststellen, dass mit dieser Dame im Zweifelsfall nicht gut Kirschen essen war. Nach einer Stärkung auf der Terrasse in 2238 m Höhe mit  wundervollem Ausblick ins Tal und die umliegenden Gebirgszüge, bezogen wir unser Quartier. Unser Abendessen nahmen wir in der gemütlichen Stube zu uns, wo wir wie in den folgenden Tagen eine Auswahl an tirolerischen Spezialitäten wie Knödeln, Gröstl, Kässpatzen antrafen.

Nach einem spartanischen Frühstück am nächsten Morgen durften wir auf unserer folgenden Teilstrecke unsere Kletterkünste unter Beweis stellen. Diese Etappe forderte den gesamten Bewegungsapparat mit allen Muskelpartien. Der Freiungen-Höhenweg hatte es in sich, hier waren Schwindelfreiheit und Trittsicherheit unabdingbar. Die felsigen Auf- und Abstiege wurden von Moni in geschickter Manier vorerkundet und wir folgten ihr tapfer auf den schier endlosen zerklüfteten Felshängen. Schließlich stießen wir auf unserem Abstieg zum Solsteinhaus auf den einheimischen Zierler Thomas, der unsere Tourenleitung zeitweise übernahm und uns mit rascher Geschwindigkeit zur nächsten Hütte geleitete. Im Solsteinhaus angekommen, spendierte Moni dem Thomas einen Gespritzten und auch der Rest der Truppe labte sich an frischen Getränken und füllte die leeren Energiereservoirs mit dem leckeren Speiseangebot, welches wir am Abend nochmals im Erker der Wirtschaft genießen durften. Hier herrschte großer Publikumsverkehr an Wandergästen, Kletterern und Mountainbikern.

Nach dieser herausfordernden Tagesetappe bestand kein großes Interesse an weiteren Wandererkundungen in der Umgebung und am Fuße der Erlspitze und des Solsteins ließ es sich auf der Terrasse bei strahlendem Sonnenstein aushalten. Regeneration war hier ein weises Motto, denn noch wussten wir nicht, welche Strapazen uns am nächsten Tag bevorstanden. Heiter starteten wir nach einen reichhaltigen Frühstück. Immerzu ging es bergab und wissentlich, diesen Verlust an Höhenmetern später wieder ausgleichen zu müssen, konnten einige Teilnehmer ein inneres Stöhnen nicht unterdrücken.

Es galt das sagenumwobene Frau-Hitt-Kar zu besteigen, in welchem eine hartherzige Frau Hitt ihr Unwesen getrieben haben soll und später zu Stein verwandelt worden war. Zunächst streiften wir durch das bewaldete Tal und Hubert machte uns erneut mit der Alpenvegetation vertraut. Nach dem Abstieg über einen steilen Geröllhang, ging es umgekehrt wieder steil bergauf. Nachdem wir die Vegetationsgrenze passiert hatten, folgte ein mühseliges, ausdauerndes, serpentinenartiges  Aufsteigen zum Frau-Hitt-Sattel. Mit den letzten Kraftreserven bewältigten wir den nicht ungefährlichen mit einem Schneefeld unterbrochenen Schutthang, und überquerten den Sattel in 2270 Metern Höhe, den gefürchteten Anfeindungen der Frau Hitt entgehend. Der Abstieg war begleitet von den nun aufsteigenden Gewitterwolken und trotz anziehendem Tempo schafften wir es nicht alle trocken zur Höttinger Alm. So wurden wir von einem starken, peitschenden und hagelversetzten Regen überrascht. Glücklich über den trockenen Zufluchtsort mussten wir aber noch auf die Zuweisung unserer Unterkunft warten. Nachdem das Unwetter verzogen war, nahmen wir alle möglichen Außen- und Innen-Plätzchen zur Trocknung unserer nassen Kleider in Beschlag. Hans vereinbarte mit dem Koch die nächtliche Nutzung der Ofenwärme für die Entwässerung seines Schuhwerkes und konnte am nächsten Morgen stolz in seine trockenen Stiefel schlüpfen. Bei einem zünftigen Abendessen gelangten wir wieder zu Kräften.

Die nächste Etappe ließen wir nach dem anstrengenden Vortag ruhiger angehen und nach dem Aufstieg zur Seegrube ließen wir uns mit der Seilbahn zur Hafelekar-Bergstation (2269 m) befördern. Dort angekommen, begann der Genuß-Höhenwander-Goetheweg. Von hier aus hatte man einen schönen Blick auf Innsbruck, das Inn-Tal und die Bergmassive, sogar ein Fernblick auf die Zugspitze war möglich. Einer kleinen Beanspruchung sollten wir nicht entgehen und nach der Überschreitung der Mandelscharte (2277 m) ging es abwärts zu unserer nächsten Unterkunft, der Pfeishütte (1920 m). Am Fuße der Rumerspitze und des Stempeljochs in einem Kessel gelegen, war die Pfeishütte für Sonnenanbeter mit Liegestühlen, Hängematten und einem Angebot an gekühlten Getränken optimal ausgestattet. Die Zimmer waren liebevoll im karierten Alpenstil und mit Holzverkleidung eingerichtet, aber auch in einer Almhütte hält High-Tech Einzug und die Gäste erhielten elektronische Chips zur Verbuchung des Konsums. Nachdem Hubert am Vortag von den Grausamkeiten der Frau Hitt verschont geblieben war, erfuhr er beim Abendessen einen Johannisbeersaftschorle-Angriff des Personals und orderte auf diesen Schrecken in Kooperation mit Hans einen Kaiserschmarrn, der nach spezieller Rezeptur und Zubereitung Ausdauerbereitschaft voraussetzte.

Die letzte Etappe zur Bettelwurfhütte bestritten wir in zwei Gruppen. Die Gruppe unter der Führung von Moni E. wollte noch ein letztes Mal ihren Bergsteigeambitionen frönen und die Stempeljochspitze (2543 m) erklimmen. Diese wurde mit einem schönen Gipfelkreuz und einer traumhaften Aussicht belohnt. Die anschließende Tour zur letzten Unterkunft auf dem Wilde-Bande-Steig war gesprenkelt von einigen Hindernissen, angefangen von einem steilen Abstieg auf Schutt und Geröll des Stempeljochs, gefolgt von der Überquerung von Schneefeldern und weiteren Schikanen in Felsrissen. Aber auch diese bewältigten wir mit Bravour und gelangten nach einem langen Auf- und Ab-Marsch zur Bettelwurfhütte. Dort servierte Gabi die langersehnten Getränke. Die gute Küche ließ die müden Lebensgeister wieder aufleben, aber auf die innovativen sanitären  Anlagen (Trennklos) hätten wir gerne verzichtet.

Der Abstieg am nächsten Tag war harmloser als befürchtet und Moni S. führte ein letztes Mal den Trupp in ihrer stoischen, gleichmäßigen, gekonnten Weise zum Ziel nach Absam, von wo aus es mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zum Parkplatz ging. Nach einer Einkehr-Rast in Seefeld traten wir in Vorfreude auf die Errungenschaften der modernen Zivilisation unsere Heimfahrt an und konnten auf spannende, herausfordernde, lehrreiche, unterhaltsame und tolle Tage zurückblicken.

Gegen 20 Uhr erreichten wir zwar mit ein paar Schrammen und Blasen mehr, aber gesund und von der Höhensonne wohlgebräunt Rottenburg.

Ein großes Dankeschön geht an unsere Tourenleiter Moni und Moni für die Planung, Organisation und Durchführung dieser abwechslungsreichen und empfehlenswerten Tour.

Autor: Kathrin Gulde
Termin:
02.08.13 – 07.08.13
Tourenleiter: Monika Eger, Monika Schüle
Teilnehmer: Monika, Monika, Esther, Karin, Kathrin, Gerhard, Hans, Hubert, Xaver

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