Das hätte Goethe auch gefallen

Langes Bike-Wochenende am Gardasee

„Heute abend hätte ich können in Verona sein, aber es lag mir noch eine herrliche Naturwirkung an der Seite, ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und bin herrlich für meinen Umweg belohnt. Nach fünfen fuhr ich von Roveredo fort, ein Seitental hinauf, das seine Wasser noch in die Etsch gießt. Wenn man hinaufkommt, liegt ein ungeheurer Felsriegel hinten vor, über den man nach dem See hinunter muss. Hier zeigten sich die schönsten Kalkfelsen zu malerischen Studien. Wenn man hinabkommt, liegt ein Örtchen am nördlichen Ende des Sees und ist ein kleiner Hafen oder vielmehr Anfahrt daselbst, es heißt Torbole. Die Feigenbäume hatten mich schon den Weg herauf häufig begleitet…….“ (*aus dem Tagebuch Goethes Italienreise vom 12. September 1786)

Und diesen Eindruck hat man jedes Mal aufs Neue wenn einem der Blick auf den See, gewährt wird. Auch Goethe wusste es schon.

Nachdem wir unsere Unterkunft im „Hotel Villa Clara“ – mit sicher dem am besten ausgestatteten Fahrradkeller am Gardasee – bezogen hatten, machten wir uns auf zu einer ersten Stärkung im Lokal Central (welches wir im Laufe des Aufenthaltes mehrfach besuchen). Danach wurden die  anstehenden Touren besprochen. An dieser Stelle ein dickes Lob an Gerhard, der hier wie bereits die Jahre zuvor, interessante Touren herausgesucht hatte. Aber der Reihe nach:

Erster Tag am See

San Giovanni – ca. 48 km mit 1380 hm

Unsere erste Tour startete in San Giovanni. Die 1000 hm hinauf bewältigten wir per Shuttelservice, da wir die Gegend einigermaßen kennen, uns den Aufstieg auf  asphaltierten Straßen sparen und lieber mehr Trails genießen wollten. Diese landschaftlich schönen Tour beinhaltet auch den wieder neu entdeckten Sentiero dei Russi, sowie ein Teilstück der Ronda Grande des Bike-Festival-Marathon. Die Tour gestaltete sich als konditionell anspruchsvolle Runde mit Trailanteilen die sehr flowig  zu fahren waren. Nach dieser Runde verdienten wir eine Pause im legendären Rifugio Malga S.Giovanni mit Apfelstrudel und Kaffee. Dann ging es weiter  Richtung Lago di Tenno über schöne flowige Trail  hinunter nach Riva.

Zweiter Tag am See

Ponale /Pregasina – ca.23 km mit 540 hm

Wenn wir etwas leider nicht steuern konnten, dann das Wetter. Dies machte uns bereits in der Nacht einen Strich durch die Rechnung. Morgens genossen wir daher ein ausgedehntes Frühstück und bummelten zu Fuß durch Torbole. Nach ausgiebigem Kaffeegenuss und vielen schönen Beobachtungen war mittags das Wetter gut genug für eine eine kleine klassische Tour über die legendäre Ponalestraße nach Pregasina. In Pregasina muss man als Biker im ebenfalls legendären Hotel Ristorante Panorama einkehren – einfach genial bei schönem Wetter. Wir verbrachten diesen Aufenthalt allerdings im Inneren und gönnten uns ein  knoblauchreiches und süßes Mittagessen bevor wir wieder die Ponalestraße downhill genießen durften.

Dritter Tag am See

Naranch Trail – ca. 40 km mit 1360 hm

Dieser Tag am See – Sonne, angenehme Temperaturen und Schwedinnen, Kaffee sowie….

Um an den Naranch Trail zu kommen gibt es zwei Möglichkeiten, entweder sich nach Santa Barbara shutteln lassen oder entlang der Sarca nach Arco zu fahren um dort dann den Anstieg nach Santa Barbara zu meistern. Letzeres haben wir in Angriff genommen.

Der asphaltierte Anstieg nach Santa Barbara hat eine angenehme Steigung und gibt keinen Anlass zum Klagen. Hierbei sind uns mehrere Frauen mit E-Bikes aufgefallen, da diese an uns vorbeifuhren ohne zu schwitzen und wir….

In einer der zahlreichen Kurven wurde wir von der ganzen Truppe gesetzterer  Damen wie bei der Tour de Franc mit einer Laola Welle vorbeigejubelt. Was für ein Start auf dem Weg nach oben!

Nach einem Stopp in Santa Barbara, bei Kaffee und Kuchen, gestalten sich auch die letzten Höhenmeter zum Monte Creino zu einem Kinderspiel. Die Aussicht entschädigte die vorherigen Mühen.

Danach das heutige Highlight: der Naranch – Trail. Ganze 800-Höhenmeter-Supertrail. Hier wurde ein alter Jägersteig  von ortskundigen Biker ausgegraben und in privater Arbeit für die Bikegemeinde freigegeben. Beim Blick ins steile Tal bekommt man eine Vorahnung. Der Trail  ist aber flowig mit ein paar technischen Stellen. Vom Gipfel schlängelt sich der Trail zunächst an Schützengräben entlang. Einige kurze und steilere Passagen münden schließlich in einen breiteren, leicht abfallenden Militärweg bis zur Naranch Ranch. Und: Hier treffen wir wieder auf die E-Bike Damen, mit ihrem italienischen Betreuer.

Der zweite Teil des Trails führte nach Nago, dieser ist teilweise neu angelegt und windet sich verspielt talwärts. Einige enge Kehren bringen dem Flow keinen Abbruch und in Nago angekommen, geht es einfach auf der Hauptstraße bis zum Strand bei Torbole um dort in der Wind`s Bar zu enden.

Eine schöne All Mountain Tour mit flowigen Trails.  Danke Gerhard für diese Tour.

 

Vierter Tag am See

Altisimo /Sentiero 650 – ca.34 km mit 735 hm Aufwärts und 2425 hm Abwärts

Die letzte Tour sollte über den Altisimo und den legendären Sentiero 650 ins Tal gehen. Wir entschieden uns anhand der anstehenden Schlechtwetterlage zum Shutteln um wenigstens den Sentiero 650 fahren zu können. Als uns der Shuttelservice an der Malga Campo absetzte wurde recht schnell allen klar dass es oben noch ungemütlicher ist. Schneidender Wind, kalt – na ja wenigstes kein Schnee. Also alles angezogen was geht und los.

Dafür wurden wir belohnt von einem der schönsten Trails, der sich durchaus anspruchsvoll und mit kleinen Mutpassagen durchsetzt durch die einsame Landschaft zog. Und ab und an gaben die Wolken auch noch prächtige Blicke auf die Berge zwischen Gardasee und Etschtal frei.

Leider holte uns der Pannenteufel auf dieser Tour ein, drei Plattfüße und ein abgerissenes Schaltauge mitten im  Trail  kostetet uns einige Zeit. Mit einer notdürftigen Reparatur – den  Kabelbindern sei Dank – konnten wir dann trotzdem die Tour ohne fremde Hilfe bergab beenden.

Am nächsten Morgen gings wieder nach Hause, leider geht alles Mal zu Ende. Aber wir werden bestimmt wieder kommen um neue unbekannte und alte Touren zu fahren – von daher: bis zum nächsten Mal…


Termin: 29. September – 04. Oktober 2017
Organisation/Guide: Gerhard Lude
Teilnehmer: Stefan, Volker, Erich Oliver, Marco
Autor: Oliver

Location: 

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