Merkur ist auch ein Planet

Wanderung über den Dächern von Baden-Baden

Merkur ist auch ein Planet – aber zu weit weg, um ihn an einem Tag zu erreichen. Und zu heiß. Deshalb haben wir uns einen anderen Merkur ausgesucht, den Hausberg von Baden-Baden, dem man ebenfalls den Namen des römischen Gottes der Händler, Diebe und Halunken gegeben hat.

Aber der Merkur war erst am Nachmittag dran. Der Vormittag führte uns an den [tooltips content = „„]Battert[/tooltips] eine imposante Kletterfels-Gruppe in luftiger Höhe über den Dächern der lebendigen Kurstadt. Wir sind an diesem sonnigen Sonntagmorgen in Ebersteinburg gestartet und nach einem kurzen Besuch der Engelskanzel durch schattigen Wald aufgestiegen bis zur Batterthütte, wo die Runde um den Battert begann. Hier trafen wir junge Leute mit Helm, Seil und Klettergurt, die sich an die steilen Felsen trauten, die sehr bald schon zu unserer Rechten lagen. An mehreren Stellen waren Abzweige vom Weg in die Felsgruppen markiert, auf denen auch der Wanderer sich ein gutes Bild von den verschiedenen Kletterrouten (immerhin bis zum Schwierigkeitsgrad 10-) machen und den jungen Leuten beim Klettern und Sichern unmittelbar zuschauen konnte. (Mehr dazu hier).

Am westlichen Ende der Felsgruppe gelangten wir schließlich auf den Vorplatz der Schlossruine Hohenbaden. Da der Kiosk noch geschlossen war, konnten wir hier an den Sitzplätzen des Biergartens unsere erste Vesperpause einlegen. Der Rundweg führte an dieser Stelle durch und über die Gemäuer der mächtigen Ruine, die auf mehreren begehbaren Ebenen phantastische Tiefblicke auf Baden-Baden, das Oos-Tal und über die Rheinebene hinweg bis in die Vogesen ermöglichten. Manch einem Teilnehmer wurde hier erst bewusst, wie die Stadt herrlich in dieses idyllische Schwarzwald-Tal eingebettet liegt und nicht umsonst einen Anziehungspunkt für so manchen in- oder ausländischen Millionär (bzw. Oligarchen) darstellt.

Während die Hitze des Tages allmählich zunahm, wanderten wir durch angenehm kühlen und schattigen Wald aufwärts, um oberhalb der Felsen an die Stellen zu gelangen, an denen wir den jungen Leute, denen wir unten beim Einstieg in die Wand schon zugesehen hatten, jetzt wieder begegneten. Sie hatten es geschafft. Hier oben kann man an mehreren Stellen die Felsen betreten, die hier ein Gefühl von Sächsischer Schweiz vermitteln und wunderbare Weitblicke zur Badener Höhe, zur Hornisgrinde und bis weit ins Rheintal hinein ermöglichen. Die schönste Aussichtskanzel allerdings blieb uns verwehrt; sie war gesperrt, da gerade mehrere Wanderfalken-Paare dort brüteten.

Nach zwei Stunden waren wir wieder zurück an der Batterthütte, von wo wir den gleichen Weg wie am frühen Morgen wieder zum Parkplatz zurück nahmen.

Hier begann der zweite Teil der Wanderung, der Aufstieg auf den Merkur. Nach Überqueren der Landesstraße führte der Weg mal geschottert, mal naturbelassen, stets bergauf durch dichten Wald. Kurz vor Erreichen des Gipfelplateaus standen wir am Startplatz der Gleitschirmflieger, die hier die günstigen Aufwinde für ihre Flüge über Baden-Baden und Oos-Tal nutzten. Es machte großen Spaß, ihnen beim Vorbereiten, Starten und Abheben zuzuschauen.

Hier oben war es vorbei mit Schatten und Kühle. Die Sonnte brannte heiß und bot einen willkommenen Vorwand, an der Bergstation der Standseilbahn unterm Sonnenschirm Platz zu nehmen und den Kellner kühle, blonde Getränke servieren zu lassen. Die Speisekarte hier war dreisprachig – deutsch, englisch und russisch – und machte schon deutlich, welches Publikum hier oben erwartet wurde. Das wurde auch bestätigt, wenn man den Gruppen, die die Standseilbahn alle zwanzig Minuten hier ausspuckte, zuhören wollte und nur noch russisch verstand. Und die Preise der Speisekarte waren ein weiterer Hinweis darauf, dass Baden-Baden nichts für Arme ist.

Den Aussichtsturm ersparten wir uns, eine großartige Rundum-Sicht hatten wir auch an dessen Fuß. Die schon erwähnte Standseilbahn sollte uns anschließend talwärts in die Stadt bringen, die 2 km von der Talstation aufwärts bis nach Ebersteinburg mit einem kurzen Abstecher zur Teufelskanzel waren schließlich der Abschluß der Wanderung.

Die Heimfahrt durch das Murgtal haben wir dann noch kurz unterbrochen, um uns in Gernsbach mit einem leckeren Eis abzukühlen.


Termin: 12.Juni 2022
Organisation/ Führung: Gustav Rechlitz
Teilnehmer: Margrit, Claudia, Thomas und Wolfgang
Bericht: Gustav