Zu den Quellen der Donau

Schwarzwaldwanderung mit Natur, Kultur und Geographie

Acht Wanderer waren es, die sich für die Ursprünge von Europas zweitlängstem Strom interessierten und nebenher die landschaftlichen Reize des mittleren Schwarzwalds kennenlernen wollten. Das Wetter war wie geschaffen für das Vorhaben, also konnte es los gehen.

Aber ich mußte gleich zu Beginn einen Wermutstropfen verteilen: die erste Station Donaueschingen, Ort des Zusammenflusses von Brigach und Breg, Quellort des wenig bekannten Donaubaches und dem namentlichen Beginn der Donau, musste ausfallen. Bei der Planung der Wanderung im vergangenen Herbst war leider noch nicht bekannt, das der Quelltopf des Donaubaches, die große Brunnenanlage im Fürstlichen Schlossgarten, großräumig umgebaut wird und in diesem Jahr leider nicht zugänglich ist.

Die Fahrt führte also auf kurzem Wege nach St. Georgen und dem Stadtteil Brigach, wo wir in Höhe des Hirzenbauernhofes die Fahrzeuge an der Straße abstellten und zu diesem Hof hin spazierten. Hier entspringt auf 920 m Höhe aus einer in Stein gefassten Quelle das kleine, unscheinbare Rinnsal namens Brigach, das schließlich nach etwa 43 km mit der Breg zusammenfließen und dann als Donau zum Schwarzen Meer fliessen soll.

Diese Breg sollte dann das zweite Etappenziel sein, wohin es nach kurzem Aufenthalt an dem idyllischen Hof weiterging. Sie entspringt in einer Höhe von 1080 m nördlich von Furtwangen, am Kolmenhof in unmittelbarer Nachbarschaft der Martinskapelle. Auch die Bregquelle ist in Stein gefasst; eine Tafel daneben informiert darüber, das das Wasser, das hier aus dem Boden kommt, durch 8 europäische Länder und nach 2888 km schließlich südlich von Odessa ins Schwarze Meer fließt. Ich mußte jetzt aber darauf hinweisen, daß in diesen Informationen gleich 3 Unstimmigkeiten stecken:
1. Aktuelle Messungen haben gezeigt, das die Länge mit 31 km zu lang angegeben wurde, tatsächlich sind es nur 2857 km.
2. Nach dem Fall der eisernen Vorhänge im früheren Ostblock sind es mittlerweile nicht mehr acht, sondern zehn Länder, die von der Donau durchflossen oder berührt werden: Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine. Kein anderer Fluss der Erde kann da mithalten.
3. Das allermeiste Wasser, das hier aus der Erde kommt, landet überhaupt nicht im Schwarzen Meer, sondern in der Nordsee. Grund sind die Donauversickerungen bei Fridingen, bei der die Donau große Teile des Wassers verliert, was dann im Aachtopf wieder an die Oberfläche kommt und dem Rhein zufließt.

Nach einer Besichtigung der Martinskapelle startete schließlich die vorgesehene Wanderung. In westlicher Richtung ging es durch schattige Laubwälder, wobei sich immer wieder großartige Aussichten über tiefe Taleinschnitte hinweg auf die Höhen des mittleren Schwarzwaldes bis hin zum Feldberg eröffneten. An einer Wegekreuzung war ein Abzweig in südlicher Richtung nur mit Hilfe von GPS zu finden. Jetzt führte nur noch ein schmaler Trampelpfad über Wurzeln und Steine über 400 Höhenmeter bergab; zum Glück war es trocken, es hätte sonst eine schwierige Rutschpartie geben können.

Panoramablick über die Schwarzwaldhöhen

Panoramablick über die Schwarzwaldhöhen

Kurz vor dem Wolfshof im Simonswälder Tal wurden wir dann Zeugen einer Rettungsaktion durch die Bergwacht. Ein Wanderer war auf einer Steinplatte ausgerutscht und hatte sich einen Fuß gebrochen. Die vom Wolfshof herbeigerufenen Retter mussten mit geländegängigen Tragen zum Verletzten steil aufsteigen, ihn vor Ort provisorisch versorgen und schließlich vorsichtig bis zu dem am Wolfshof bereitstehenden DRK-Krankentransporter tragen.

Am Wolfshof erreichten wir schließlich ein asphaltiertes Sträßchen, das uns dann gemächlich am Nonnenbach entlang wieder auf die Höhen zurückführte. Immer wieder blieben wir stehen, um die Ausblicke bis zu den Vogesen zu genießen. Auf 1140 m Höhe erreichten wir schließlich den Brendturm, hier war die Aussicht allerdings durch hohe Bewaldung auf 180 Grad in südlicher Richtung begrenzt. Dort im Süden warteten dafür aber Feldberg, Hochfirst, Schauinsland und Belchen, und im Westen der Kandel und die Vogesen mit dem Grand Ballon auf unsere Blicke. Und im Tal lag Gütenbach, Heimat der Fallers und der Faller-Modelleisenbahnen, die den Brendturm als Modellvorlage bereits vor Jahrzehnten in unsere Spielzimmer brachten.

Im nahen Naturfreundehaus am Westweg gönnten wir uns schließlich verdientermaßen Kaffee und Kuchen, ehe es über die Günterfelsen – eine sogenannte Wollsack-Formation – wieder zurück zu den parkenden Fahrzeugen an der Martinskapelle ging. Eine wunderschöne Wanderung war zu Ende, und alle Teilnehmer freuten sich bereits auf die nächste.

Gustav


Tourenleiter: Gustav Rechlitz
Teilnehmer/innen: Moni E., Moni S., Marlies, Fr. Müller, Erich, Gerhard und Norbert
Datum: 15.06.2014
Autor: Gustav Rechlitz

Tourverlauf: