Thomas, die Zwanzigste

Montag  – Frage des Tages: „Hast du im Stehen geduscht, im Sitzen gepinkelt und im Liegen geschlafen?“

Schon am Vortage verliefen heiße Spekulationen um den Übergang zum Rifugio Pordenone angesichts der steilen, schuttbedeckten Felsen, die sich rings um die Hütte auftaten. Insbesondere für die Frauen war es ein kleines Rätsel, wie wohl der Übergang samt Rucksack vonstatten gehen möge – jedoch konnten solche Überlegungen am Abend noch erfolgreich mit dem Wein verdrängt bzw. verschluckt werden. Tags darauf nun drohte die Stunde der Wahrheit, bei der wir uns von den Empfehlungen des Hüttenwirts bzw. dessen Übersetzerin leiten ließen und den Weg über Forcella Segnata wählten. Ob es sich um ein Kommunikationsproblem, einen Übersetzungsfehler oder einfach um das von Thomas angekündigte „Schmankerl“ handelte: Wir wissen es heute besser…

Entgegen den übrigen Tagen wurde es schnell ziemlich still in der Gruppe, was i.d.R. auf Schlaf oder hohe Konzentration hinweist und eine gewisse Schwierigkeitsstufe anzeigt. Zweiteres war der Fall, denn es ging sehr steil, um nicht zu sagen senkrecht zur Sache. Die Dolomiten rückten uns doch mehr zu Leibe als erwartet. Sie wollten von uns ergriffen, ertastet, bekniet, und regelrecht bestiegen werden – oh ihr frivolen Dolomiten!! Welch einen Höhepunkt haben wir sodann erreicht! Atemberaubend – beeindruckend – traumhaft …. um dann wieder in die Tiefen hinabzusteigen, mehr gleitend, stolpernd und fluchend – „Tortour de la Quälness“.

vor dem Campanile di Val Montanaia

vor dem Campanile di Val Montanaia

„Gestrandet“ sind wir dann am Fuße des Campanile („der unlogischste Berg der Welt“- 2173 m), wo uns zwei Kletterer demonstrierten, was Klettern wirklich ist. Das waren unsere „Stars of the day“ – obwohl wir uns ebenso wie echte Stars fühlten, nach diesem „Schmankerl“. Trotz der Anstrengung erreichten wir alle wohlbehalten und gutgelaunt das Rifugio Pordenone, wo wir zeitgleich mit unserem 10. Bergsteigerlein ankamen und fortan die Tour in der Komplettbesetzung fortsetzen konnten.

Beseelt von unserem Tageserfolg, entlastet von des Tages Mühsal und gedopt durch des Weines Wirkung herrschte eine gelassene Stimmung auf der Hütte. Der Wirt lud  zu einem Duell der anwesenden Gruppen – vertreten durch deren Führer – ein. Wieder einmal machte uns unser „Lion“ (Leon) alle Ehre und gewann – diesmal im Klimmzugduell. Was für ein Mann!!

Zum nächsten Tag →