Zur Aiguille de La Grande Sassière …

… aber das Ziel blieb unerreicht

Hochtouren mit Genuß im Valgrisenche/Aosta/Italien an der Grenze zu Frankreich

4:45 Uhr.  Aufbruch im letzten Dunkel der Nacht vom Rifugio Bezzi auf dem Weg „Haute Route Giaciaire“ (HRG) zum „Aiguille de La Grande Sassière„.  Noch leicht müde setzt die Gruppe Cäcilia, Gabi, Rolf, Hermann und Hajo bemüht aufmerksam im Schein der Stirnlampen einen Schritt nach dem anderen über den steinigen, nassen und teilweise eisbedeckten Weg.

Der Tag verspricht sonnig und warm zu werden, die Temperatur ist noch leicht unter Null Grad, langsam wird es hell, die sonnenbeschienen Bergspitzen glimmen rötlich. Nun wird es leichter, den Weg zu finden, die Stirnlampen können ausgeschaltet werden. Es wird noch 3h bis zum Erreichen des ersten Etappenzieles „Col Bassac Déré“ dauern.

Während wir nun Wandern, können wir unsere Blicke und Gedanken schweifen lassen, uns unterhalten und dabei das Erlebte der vergangenen Tage in Erinnerung rufen. Wird es heute auch so schwierig wie am ersten Tag bei der Tour auf den Grande Traversiere?

Vor zwei Tagen bestieg die Gruppe den „Grande Traversière“ (3496m) bei schlechter Sicht mit dichtem Nebel über einen Gletscher, sodass die Wegfindung nicht peu difficile (pd), sondern in Abschnitten „assez kniffelig“ (ak) war. Auch waren beim Gipfelanstieg die vermeintlich leichten Kletterstellen durch die Nässe und Glätte nicht ohne Seil sicher zu nehmen. Das kostete eine Menge Zeit, verhinderte aber nicht auf den Gipfel zu kommen. Statt der veranschlagten 9h dauerte es dabei fast 11h, dass die Gruppe nach einem Schneefeldabstieg ohne schwerwiegende Konsequenzen wohlbehalten pünktlich um 19h in der Hütte erscheinen konnte. Das Abendprogramm mit einem ausgiebigen 5-Gänge Menue entgegen anderslautenden Erfahrungen in der Vergangenheit sollte nicht verpasst werden!

Nach 3h und zahlreichen Traversen von Schneefeldern erreichen wir den Col Bassac und verabschieden uns vom HRG mit einem zweiten
Frühstück. Das erste um 4h war schon ausreichend verstoffwechselt.  Majestätisch hebt sich auf der einem Seites des Cols der Monte Bianco vom Rest der Berglandschaft ab, während auf der anderen Seite der Gran Paradiso sein Haupt reckt. Diese beeindruckende Fernsicht läßt keine Fotografenwünsche offen und wird uns für den Rest des Tages begleiten. Quelle bonne chance!

Zunächst aber suchen wir den günstigsten Einstieg auf den Gletscher und klettern vom Bergschrofen über den Gletscherrand auf das Eis. Nun mit Steigeisen, Pickel und Seil gesichert geht es nun im Entenmarsch gesichert in einem weiten Bogen über den Gletscher zum Col de Sassiere.

Hermann geht voran, versinkt ab und zu im teilweise kniehohen Schnee. Wir kommen langsam zum Einstieg des Grats des Col de Sassière auf knapp 3200m an. Nun gilt es über „7 Gipfel“ im Auf und Ab den Grat bis zum Fuss des Grande Sassiere zu bezwingen, und sind noch guter Hoffnung es zu schaffen. Es sind ja nominell nur noch 550 Hm bis zum Gipfel!

Das Klettern macht im Plaisirmodus Spass und verläuft spektakulär auf der Höhe des Grats auch mit einem Blick auf les Alpes Vanoise in das Val d’Isere nach Frankreich. Zu sehen ist im Tal der Lac de Tignes und die Bergkette mit dem imposanten Grande Casse. Dazwischen schimmern die Ausläufer der Dauphine am Horizont.

Doch je weiter wir klettern, teilweise Schneefeldtraversen, in die wir nun auch mal hüfttief einsinken, um dann mit viel Kraft und Zeitaufwand uns daraus wieder auszugraben, umso deutlicher wird klar, dass uns die Zeit davonläuft. Nach x-mal Auf und Ab und fast 8h erreichen wir das Ende des Grats und den Fuss des erwünschten Tourzieles und beschließen, den Rests des Weges nicht mehr zu nehmen. Geschätzt noch 2 1/2h wären wir unterwegs zum Gipfel, um dann wahrscheinlich erst gegen Mitternacht wieder in der Hütte ankommen.

Also machen wir einen Cut mit einer ausgiebige Pause und Siesta in der Sonne – statt Sombrero den Helm als Sonnenschutz – und machen uns danach wieder auf denselben Weg zurück zur Hütte, wie wir gekommen waren. Die Beine wurden zwar auf dem letzten Stück schwer, doch konnten wir glücklich und pünktlich wieder um 19h zum Abendessen auf der Hütte sein. Wie die Tage zuvor gab es wieder ein 5-Gänge Menue entgegen anderslautenden Erfahrungen in der Vergangenheit. Es kam uns aber irgendwie besonders köstlich vor, besonders die Lasagne war unübertroffen, très bien oder molto bene wie man hier sagt im Grenzgebiet zwischen Italien und Frankreich!

Was gibt es noch zu berichten?

Die Hüttenwirte waren sehr nett, hatten uns sogar die einzig verfügbare Karte zeitweise überlassen. Die Hütte war verhältnismäßig luxuriös mit 2-3 Bett-Zimmern und Dusche, hatte einen leichten Schaden durch eine Schneelawine im März, welcher durch eine provisorische Holzwand geflickt war.

Die Hüttengäste waren mal zahlreich, mal weniger zahlreich, kamen aus Frankreich und sogar aus Jena – einer sogar aus Hannover. Das Hüttenmenue abends mit 5 Gängen mit örtlichen Spezialitäten war sehr reichlich und sehr lecker entgegen anderslautenden Erfahrungen in der Vergangenheit – hatte ich das schon gesagt? Stets gab es eine freundliche Nachfrage, ob wir noch einen Nachschlag haben wollen. Der Käse zum Abschluß war immer etwas Besonderes!

Das Frühstück war sehr reichlich mit frisch gebackenen leckeren Brot, Joghurt, Müsli, Marmelade, Honig, Butter, Nutella, Kaffee und Tee.

Die Murmeltiere kamen bis auf die Terasse der Hütte. Die Steinböcke waren zahlreich und liessen sich durch unsere Anwesenheit nicht stören, Die grünen Wiesen hatten teilweise uns Ihre Blumenpracht ausgebreitet, sodass man sich hineinlegen musste.

Die An- und Abfahrt ins Valgrisenche über den Großen St. Bernhard dauerte. Es war sehr heiß. Wir trugen eher relativ leichte Sachen, einige trugen teilweise kurze Hosen und T-Shirts!

Was vergessen?

Ach ja, am zweiten Tag waren wir zur Recreacion auf einer kurzen 6h Tour zum „Col de Vaudet“ mit einem kleinen Hopser auf den Pointe du Rocher Blanc (3023m) – Rocherkugeln gab es da allerdings nicht.

Alles in allem war es eine genussvolle Tour mit größtenteils bestem Bergwetter und schönsten Gipfeln. Dank an den erfahrenen Tourenengineer Hermann für die Tourenkonzeption und -implementierung und auch an Rolf für seine Verdienste, als Training für den Gran Paradiso das Seil zu (er)tragen. Viel Erfolg weiterhin, solche Touren wollen wir gerne weiter in Kauf nehmen!

Vielleicht gibt es ein anderes Mal die Gelegenheit auf den Grande Sassiere zu kommen!


Termin: 01.07. – 05.07.2017
Organisation/Führung: Hermann Elsenhans
weitere Teilnehmer: Cäcilia, Gabi, Rolf, Hermann und Hajo
Autor: Hajo Ostermoor

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