Schwarzwald-Trails und Schwarzwälder Kirsch

Die Mountainbiker on Top of Württemberg

Fünf Biker sind sich einig – im Nordschwarzwald gibt’s wunderbare Trails, grandiose Tiefblicke, viel Regen und geheime Orte für große Kuchenstücke. Und zur höchsten Erhebung Württembergs kann mit dem Fahrrad hinabrollen.

1.  Tag (Raumünzach-Ochsenstall):

Der Himmel am Morgen des 15. August 2014 war grau, die Luft kalt und feucht. Mit dampfenden Kaffeebechern und unseren Bikes bestiegen wir um 08:15 Uhr am Rottenburger Bahnhof die Kulturbahn Richtung Nordschwarzwald. Umstieg in Hochdorf auf die Karlsruher Stadtbahn, alles klappte einwandfrei. Doch dann trübten herablaufende Regenperlenschnüre die bis dahin schöne Aussicht aus der warmen Stadtbahn. Eigentlich wollten wir in Freudenstadt aussteigen und mit viel potenzieller Energie ins Murgtal hinabrollen. Aber flexibel wie wir waren, blieben wir lieber im Trockenen sitzen. Moralisch ist diese Startpunktverlegung vielleicht fraglich, aber zahlt isch zahlt: die in Rottenburg für 5,40 € gezogene Fahrkarte gilt bis Forbach (Ausflugstipp: mit der vgf-Familientageskarte für 14 € von Rottenburg bis zum Mummelsee und zurück).

Station „Kirschbaumwasen“, oh Du mein Badnerland! Hier mussten wir raus, wollten wir den Einstieg ins Schwarzenbachtal nicht verpassen. Warmduschergedanken wurden verworfen, wegen des Regens bis zum Endbahnhof Karlsruhe sitzen zu bleiben. Wobei die Fahrt mit der Straßenbahn das Murgtal hinab sehr lohnenswert ist – Schluchten, Viadukte und Tunnel aus Lokführerperspektive, für jeden Bahnfan ein Traum.

Vermummt in Ganzkörper-GoreTex kurbelten wir das Schwarzenbachtal hinauf. Hier trafen wir auf ein Technikdenkmal allerersten Ranges: Die 65 m hohe Staumauer der  Schwarzenbachtalsperre. Sie war 1926 nach nur 4 Jahren Bauzeit die erste Gussbetonstaumauer Deutschlands. In Verbindung mit dem Murgkraftwerk in Forbach entstand das größte Pumpspeicherwerk seiner Zeit und sicherte – sorry Württemberg – in Baden den industriellen Vorsprung. Trotz Regen ließen wir es uns nicht nehmen, die 400 m lange Mauerkrone zu befahren und uns über den Abgrund zu beugen.

Aus dem Familienalbum: Bau der Schwarzen-bach-Staumauer um 1924

Aus dem Familienalbum: Bau der Schwarzen-bach-Staumauer um 1924

Entlang des nördlichen Seeuferwegs strampelten wir uns so gut es ging wieder warm. Die Tafeln des Geschichts- und Techniklehrpfads ließen wir links liegen lassen. Als Schwiegersohn eines beim Bau der Staumauer beteiligten Elektrikers konnte ich meine armen Mitradler auch ohne Hilfsmittel mit historischen und technischen Details nerven.

Die geplante Schleife über den Herrenwieser See und die Badener Höhe fiel ins Wasser. Schade, sie wäre der nördlichste Tausender Baden-Württembergs gewesen. In Herrenwies wurde vorzeitige Einkehr in den geschickt am Weg liegenden Gasthof Waldesruh beschlossen. Mit der Ruh war es dann dort vorbei, wir dekorierten das Interieur mit nassen Klamotten und wollten auch noch was zu Essen.

Nach dem Mittag war dann alles besser: Bauch gefüllt, Klamotten halbwegs trocken und die Sonne zeigte sich auch ab und zu. So ging es weiter über den Sand, wo wir auf den Schwarzwald-Westweg trafen. Diesem folgten wir über das Hundseck auf den 1039 m hohen Hochkopf. Von der erhabenen Hochmoorlandschaft eröffneten sich durch die Wolkenlücken hindurch immer wieder grandiose Tiefblicke hinunter ins Rheintal.

Der anfangs ebene, späte blockige Trail hinunter nach Unterstmatt forderte den ersten und glücklicherweise einzigen Plattfuss der Tour, der aber von 5 Experten schnell behoben war. Noch den Fahrweg hoch bis zum Ochsenstall, dann hatten wir nach ca. 23 km und knapp 900 Höhenmetern unser Quartier für heute auf 1036 m Höhe erreicht.

Ochsenstall, Übernachtung auf 1036 m Höhe

Ochsenstall, Übernachtung auf 1036 m Höhe

Kaum hatten wir unter heißen Duschen unsere Körpertemperatur wieder über 36 °C stabilisiert, setzte draußen ein Wolkenbruch ein. Sturm trieb Wolkenfetzen vom Rheintal hoch über den flachen Sattel an der Hütte vorbei ins Württembergische. Von drinnen bestaunten wir das Schauspiel, das zwischenzeitlich fast in Schneeregen überging (nur nochmal zur Klarstellung, ich berichte hier über eine Schwarzwald-Fahrradtour im August). Wie meinte doch der Fachübungsleiter: Der Kamm des Nordschwarzwalds ist halt mit über 2000 mm Jahresniederschlag eine der regenreichsten Gegenden Baden-Württembergs.

Die einfachen aber zweckmäßigen 2er/4er-Zimmer mit Stockbetten waren schnell aufgeteilt, Schnarcher links, Nichtschnarcher rechts.